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Im Notfall besser Helfen
Ratgeber zum Spenden bei Naturkatastrophen
Die Anzahl und Schwere von Naturkatastrophen nimmt stetig zu: Allein in den letzten dreißig Jahren hat sich die Zahl der weltweit von ihnen betroffenen Menschen von rund 250 Millionen auf etwa 1,5 Milliarden erhöht. Angesichts dieser Entwicklung haben viele Menschen den Wunsch, den Betroffenen rasch und effektiv mit einer Spende zu helfen.
Dabei wünschen sich die Spender, dass die Hilfsorganisationen die ihnen anvertrauten Gelder so einsetzen, dass die Menschen vor Ort optimal davon profitieren. Doch nicht immer sind sich die Spender sicher, ob die Gelder auch in ihrem Sinne verwendet werden. Unwissenheit über die Situation vor Ort, vereinzelte „Spendenskandale“ und die Angst, lediglich große bürokratische Verwaltungsapparate zu finanzieren, sorgen für Verunsicherung.
Der Ratgeber möchte dieser Verunsicherung entgegenwirken. Spendern und Unternehmen, die ihre investierten Ressourcen sinnvoll einsetzen wollen, gibt er Informationen und Leitlinien an die Hand. Einige von ihnen sind einfach umzusetzen, andere erfordern ein gewisses Maß an Zeit und Neugier. Die Leitlinien haben das Ziel, zu bewussterem, strategischem Spenden anzuregen – und so die Wirkung jeder Spende für die betroffenen Menschen zu erhöhen.
Der Ratgeber wurde mit der Förderung der Allianz SE möglich.
PHINEO-Analyst und Autor des Spenden-Ratgebers für Naturkatastrophen im radioeins-Interview am 8.4.2011
Tipps zum Spenden bei Naturkatastrophen
Bereits in den ersten drei Monaten des Jahres erleben wir mit dem Erdbeben in Japan die dritte Großkatastrophe allein in Asien. Tod, Zerstörung und die Angst vor dem atomaren Gau beherrschen die Nachrichten und haben die Bilder vom Erdbeben in Neuseeland und den Überschwemmungen in Australien schon fast verdrängt.
Für die Opfer des Erdbebens und des Tsunamis in Japan haben die Deutschen in den ersten zwei Wochen nach der Katastrophe bereits 17 Millionen Euro gespendet (Quelle: DZI). Die Spendenbereitschaft ist verständlich. PHINEO weist aber darauf hin, dass sich Spender genau überlegen sollten, ob ihr Geld an anderer Stelle nicht mehr bewirken könnte. Dazu gibt der Ratgeber einige Tipps und Empfehlungen an die Hand. Wenn sich Spender für Japan engagieren möchten, empfiehlt PHINEO, folgende sieben Tipps des Ratgebers zu beachten:
Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Überlegen Sie trotz der schrecklichen Bilder genau, ob Sie für ein viel beachtetes Ereignis spenden oder vielleicht doch für eine andere weniger beachtete Katastrophe.
Ein enger Spendenzweck wie „Japanhilfe“ oder „Erdbeben Japan“ verpflichtet die Hilfsorganisationen, das Geld ausschließlich für das angegebene Ziel zu verwenden. Vermeiden Sie die Zweckbindung und vertrauen Sie der Hilfsorganisation Ihrer Wahl, dass sie das Geld so verwendet, wie es den Betroffenen am besten zugutekommt.
Verzichten Sie auf Sachspenden. Diese verursachen meist mehr Probleme, als sie lösen. Denn Sortierung und Transport sind teuer. Die Container mit Sachspenden belasten die Transportkapazitäten an See- und Flughäfen, wichtige Medikamentenlieferungen könnten darunter leiden. Außerdem lassen sich Hilfsgüter flexibler und günstiger vor Ort einkaufen.
Wählen Sie Hilfsorganisationen aus, die bereits in der Vergangenheit erfolgreiche Projekte durchgeführt haben. Unabhängige Evaluationen, die auf der Homepage der Organisation bereitgestellt werden, geben darauf Hinweise.
Bei jeder Spende fallen Kosten an, z. B. für die Abwicklung bei der Bank oder für Verwaltungsaufwand bei den Organisationen. Geben Sie daher lieber eine größere Spende als viele kleine. Bei der Zahlung per Lastschrift kommt bei den Organisationen mehr an als bei der Zahlung mit Kreditkarte.
Prüfen Sie, ob die Organisation als gemeinnützig anerkannt ist und dies mit einem Freistellungsbescheid des Finanzamtes belegt. Transparenz zeigt sich auch daran, dass die Organisation über ihre Arbeit sowie ihre Finanzen auf der Website informiert.
Besonders effektive Hilfe können Organisationen leisten, die bereits vor der Katastrophe mit langfristigen Hilfsprojekten im Land präsent waren. Denn sie sind mit Land und Leuten vertraut. Achten Sie auf entsprechende Hinweise in Projektberichten und auf den Webseiten der Hilfsorganisationen.
"Der Klimawandel ist asozial"
Der Klimaforscher Professor Dr. Mojib Latif spricht im Interview mit PHINEO über zukünftige Klimakatastrophen.
Prof. Dr. Mojib Latif leitet den Forschungsbereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Uni Kiel.Führt die klimatische Entwicklung zu einer Verschlimmerung der Naturkatastrophen in den kommenden Jahren?
Es wird tatsächlich mehr und schlimmere Naturkatastrophen geben. Wir rechnen dabei allerdings nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten, da sich der KIimawandel erst nach und nach bemerkbar macht. Bis zum Jahrhundertende könnte sich das Weltklima im schlimmsten Fall um weitere 4 Grad erwärmen. Zum Vergleich: Im 20. Jahrhundert ist die Temperatur lediglich um 0,7 Grad gestiegen. Dann würden völlig andere Verhältnisse herrschen, gerade in Bezug auf Naturkatastrophen.



