Content


Header Mikrofinanzen
Contentnavigation
  • Mail
  • Drucken
 

„Mikrofinanzen sind keine Almosen. Sie sind ein Weg, um Geringverdienern dieselben Rechte und Dienstleistungen zu ermöglichen, die auch allen Anderen zugänglich sind.“

Kofi Annan, 2004

Kontakt

Philipp Hoelscher

Philipp Hoelscher
Stellv. Leitung Analyse & Forschung
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
Tel: +49. 30. 52 00 65 - 309
Philipp.Hoelscher@phineo.org
Kontakt aufnehmen

Kontakt

Susanne Ungnad

Susanne Ungnad
Kommunikation
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
Tel: +49. 30. 52 00 65 - 302
Susanne.Ungnad@phineo.org
Kontakt aufnehmen

Kleines Geld, große Wirkung

Ratgeber zum wirkungsvollen Investieren mit Mikrofinanzen

Spätestens die Verleihung des Friedensnobelpreises 2006 an Mohammad Yunus hat die Mikrofinanzierung in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Der Gründer der Grameen Bank wurde als „Armutsbekämpfer“, das Konzept der Mikrofinanzierung als „Revolution des Bankwesens“ gefeiert. Die zugrundeliegende Idee war bemerkenswert: Auch einkommensschwache Menschen, die in weniger entwickelten Volkswirtschaften keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, sollten diesen Zugang erhalten und damit Marktteilnehmer statt Adressaten von Hilfsprogrammen sein.

Wie funktioniert das Investieren in Mikrofinanzen?

Im Fokus der Mikrofinanzen steht die Gruppe der einkommensschwachen Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern der Welt. Dazu gehören Bauern, Fischer, Angestellte, Gelegenheitsarbeiter sowie Kleinstproduzenten und Händler. Oft haben sie ein kleines Geschäft oder einen kleinen Stand, an dem sie Waren verkaufen oder reparieren. Ihre Einnahmen sind schwankend und meist gering und müssen ständig mit den Herausforderungen eines unregelmäßigen Einkommens umgehen. Dabei sind sie auf sich gestellt wenn es darum geht, das Schulgeld für die Kinder zu organisieren, den Ausfall der Ernte zu überbrücken, den Warenbestand des Dorfladens zu erweitern oder als Handwerker in Werkzeuge zu investieren, welche die Annahme größerer Aufträge erst erlauben.

Diese Herausforderungen treibt die Menschen zu einem aktiven Finanzmanagement an (siehe Bildergalarie).

Soziale Wirkung durch marktwirtschaftliche Prinzipien

Eine zentrale Herausforderung ist die Vereinbarkeit von philantropischer Geisteshaltung und marktwirtschaftlichen Prinzipien. Denn die Vergabe von Mikrokrediten und anderen Produkten durch Mikrofinanzinstitutionen an die Endkunden verfolgt gleichzeitig soziale und wirtschaftliche Ziele. Diese Dualität der Zielsetzung basiert auf einer marktwirtschaftlichen Herangehensweise, die die soziale Wirkung keinesfalls ausschließt. Im Gegenteil: Kreditrückzahlungen und Zinsen sind die Voraussetzung für die Entstehung eines selbsttragenden Systems. Sie schaffen die Grundlage dafür, möglichst vielen Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Wie Mikrofinanzinvestitionen können auch Soziale Investoren gleichzeitig soziale und finanzielle Ziele verfolgen. Sie können die soziale Wirkung positiv beeinflussen, indem Sie die geeignete Investitionsform und einen geeigneten Investitions-Anbieter finden.

  Von MFIS, MIVS und Investoren - Die Mikrofinanzlandschaft im Überblick

Vom Investor zum Kunden - der Geldfluss internationaler InvestitionenVom Investor zum Kunden - der Geldfluss internationaler Investitionen

Die Endkunden vor Ort bekommen Mikrokredite und andere und andere Produkte von sogenannten Mikrofinanzinstitutionen (MFI). Ihre Gesamtzahhl wird auf 10.000 weltweit geschätzt. Darunter sind nicht nur Banken, sondern auch Genossenschaften und Nichtregierungsorganisationen. Die MFI-Landschaft ist als äußerst heterogen. Hauptprodukte der MFIs sind Mikrokredite und Sparprodukte, vergeben an Einzelpersonen oder Gruppen. Innovative Vorreiter bieten außerdem beispielsweise mobile Bankdienstleistungen und Mikroversicherungen.

Investoren sind für die MFIs eine wichtige Finanzquelle. Auf lokaler Ebene fianzieren zum Beispiel einheimische Banken die MFIs mit Krediten und Eigenkapitalbeteiligungen. Investoren auf internationaler Ebene sind Kleinanleger und wohlhabende Einzelpersonen, Stiftungen und institutionelle Investoren, wie Rentenfonds und Versicherungen.

Mit zunehmendem Interesse internationaler Investoren entstanden Intermediäre, die als Mittler zwischen Investoren und MFIs fungieren, und so Investitionen erleichtern. Denn gegenüber beiden haben sie einen Wissenvorsprung: Im Gegensatz zu Investoren verfügen Sie über notwendiges Mikrofinanz-Know-How und können so für Invesoren etwa die Auswahl der zu finanzierenden MFIs übernehmen. Im Unterschied zu MFIs besitzen sie außerdem Kenntnisse über die internationale Investorenlandschaft.

Vier bedeutende Typen von Intermediären gibt es:

  1. Zu den Mikrofinanz-Investitions-Vehikeln (MIV) zählen Genossenschaften, Holdinggesellschaften und Investmentfonds, die mindestens die Hälfte ihrer Mittel in Mikrofinanzen investieren.
  2. Nachhaltige Mischfonds investieren nur einen geringen Anteil ihrer Kapitalmittel im Bereich Mikrofinanzen.
  3. Peer-to-Peer-Anbieter stellen potenziellenInvestoren im Internet Kundenprofile der von ihnen unterstützten MFIs vor.
  4. Spendenorganisationen engagieren sich vollständig oder als Komponente ihrer Entwicklungsprogramme im Mikrofinanzbereich.

Beteiligungsmöglichkeiten für Anleger und Spender

Investoren haben verschiedene Möglichkeiten zu Geldanlagen im MikrofinanzbreichInvestoren haben verschiedene Möglichkeiten zu Geldanlagen im Mikrofinanzbreich

Soziale Investoren müssen zunächst eine grundlegende Entscheidung treffen: zwischen Engagement in Form einer Geldanlage oder einer Spende. Beide können auf unterschiedliche Weise soziale Wirkung entfalten.

  • Geldanlagen

Anleger verstehen ihr Engagement als Teil eines marktwirtschaftlichen Prozesses: Sie legen Geld an, in der Regel bei den Intermediären, und finanzieren über diese ausgewählte MFIs. Die MFIs können dann bestehende Kunden bedienen und neue erreichen. Die Kunden wiederum zahlen die Kredite zurück. Im Unterschied zu Spendern sollten Anleger ihr investiertes Geld daher zurückerhalten. Eventuelle Zinsgewinne werden von einigen Intermediären an die Investoren ausgezahlt, von anderen direkt reinvestiert. Vier Anlageoptionen stehen zur Verfügung: Anleger können Anteile an (1) Investmentfonds und (2) Genossenschaften erwerben oder (3) selbst Kredite über Peer-to-Peer-Anbieter vergeben. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich (4) direkt per Aktien- und Anleihenkauf an einer MFI zu beteiligen.

  • Spenden

Spender unterstützen die Grundisee der mikrofinanzen, ohne Wert darauf zu legen, teil des marktwirtschaftlichen Mikrofinanz-Kreislaufs zu sein. Entsprechend wird das Geld nicht zurückgezahlt oder verzinst. Potentielle Empfänger von Spenden sind Vereine, Förderkreise von Genossenschaften und andere Organisationen, die sich mit entwicklungspolitischer Motivation im Bereich Mikrofinanzen engagieren. Auch international tätige Organisationen, darunter Initiativen zur strukturellen Verbesserung des mikrofianzwesens, aber auch Peer-to-Peer-Anbieter und Genossenschaften können mit einer Spende unterstützt werden. Die Organisationen verwenden die Gelder entweder zur Refinanzierung von MFISs oder für die Verbesserung der sozialen verantwortlichkeiten im Mikrofinanzbereich.

Besondere Tipps für Geldanlagen

Wer sein Geld als Anlage investiert, sollte die folgenden Aspekte beachten:

  • Ausfallrisiko streuen: Bei einer Fonds- und Genossenschaftsanlage teilen sich die Anleger die Verluste. je breiter das Portfolio über verschiedene Regionen und MFIs gestreut ist, desto unwahrscheinlicher ist ein kompletter Ausfall einer Anlage. Bei Peer-to-Peer-Anbietern hingegen sind Soziale Investoren bisweilen alleiniger Kreditgeber und tragen folglich das gesamte Risiko. Sie können daher selbst das Anlageportfolio über mehrere mikrokreditnehmer streuen.
  • Den zeitlichen Anlagehorizont bedenken: Anlagen mit langfristigem zeithorizont ermöglichen dem anbeiter größere Planungssicherheit. Dies wirkt sich unter Umständen in längeren und damit besseren Laufzeitkonditionen für die finanzierten MFIs aus und zahlt damit auf die soziale Zielsetzung ein. Denn MFIs können dann mehr Kredite zu günstigeren Konditionen anbieten. Kurzfristig orientierte Anleger sollten auf die Kündigungfristen ihres Anbieters achten. In einigen Fällen können diese bis zu sechs Monate betragen.
  • Finanzielle Rendite prüfen: Die finanzielle Rendite einer Fonds-, Gensossenschafts- oder Direktinvestition ist im zeitverlauf Schwankungen unterworfen. Anleger sollten sich erkundigen, wie hoch die Rendite ausfällt und wie stabil sie im Zeitverlauf ist. Die meisten für Kleinanleger offenen Fonds zahlen derzeit keine Dividende aus, sondern reinvestieren die Gewinne, beispielsweise in Form neu ausgegebener Kredite an MFIs. Sie Rendite ist dann an der jährlichen Wachstumsrate der Fondsanteilswerte, dem sogenannten Net Asset Value (NAV), ablesbar. Bei Peer-to-Peer-Anbietern stellt der Anlagezinssatz die Rendite dar. Je nach Anbeiter veriiert der gewährte Zinssatz erheblich.
  • Kosten berücksichtigen: Die Verwaltungskosten eines Investitionsanbieters sollten die branchenübliche Höhe nicht überschreiten. Diese beträgt bei größen Fonds circa 1,5 bis 3 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens, die der kleineren Fonds kann höher ausfallen. Genossenschaften und Peer-to-Peer-Anbieter machen in der regel keine expliziten Angaben zu Verwaltungskosten. Diese können jedoch erfragt werden. Zusätzliche Kosten können für Mitgliedsbeiträge, für gebühren für den Transfer von geldbetrgägen sowei für die Konvertierung der Beträge in die Währung des Anbieters anfallen.