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„Grundsätzlich gilt: Frag den Betroffenen selbst!“

Petra Weritz-Hanf vom BMFSFJ im PHINEO-Interview

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Zufrieden oder nicht? Interview zur Zufriedenheitsmessung im Themenfeld Demenz

Größte Herausforderung bei der Evaluation eines Projektes im Themenfeld Demenz ist die Zufriedenheitsmessung. PHINEO sprach mit Petra Weritz-Hanf über dieses Problem – und über Lösungsansätze. Petra Weritz-Hanf ist Referatsleiterin „Gesundheit im Alter, Hilfen bei Demenz, Conterganstiftung für behinderte Menschen“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

PHINEO-Interview mit Petra Weritz-Hanf

PHINEO: Warum lässt sich die Zufriedenheit von Menschen mit Demenz so schwer erheben?

Weritz-Hanf: Grundsätzlich gilt: Frag den Betroffenen selbst! Das geht gerade im Anfangsstadium der Krankheit noch sehr gut. Später funktioniert das leider nicht mehr. Verbale Äußerungen werden fast unmöglich und es entstehen Verständnisprobleme auf beiden Seiten. Die Angehörigen und das Pflegepersonal sind oft irritiert und frustriert, weil sie von den Schwerstdemenzkranken keine Reaktionen bekommen – zumindest keine, die sie verstehen. Wie Menschen mit Demenz ihren Alltag erleben,drücken sie ganz anders aus, als wir es gewohnt sind. Trotzdem, und das ist das Wichtige, bleibt ihnen ja ihre emotionale Ausdrucksfähigkeit erhalten. In dieser Phase kann man das Wohlbefinden der Patienten indirekt über Angehörige und Pflegekräfte erfragen – oder aus Beobachtungen ihres Verhaltens, ihrer Gestik und ihrer Mimik ableiten.

PHINEO: Das Heidelberger Instrument zur Erfassung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz (H.I.L.DE.) ist eine solide Basis für die Zufriedenheitserfassung der Erkrankten. Wie funktioniert das?

Weritz-Hanf: Warum sich eine Person in einer bestimmten Situation gut oder unwohl fühlt, hat ja ganz persönliche, individuelle Gründe. Sobald man diese herausgefunden hat, kann man das Wohlbefinden konkret fördern. H.I.L.DE. bietet einen wissenschaftlich fundierten Kriterienkatalog, mit dem man die Beobachtungen zu verschiedenen Alltagssituationen und Lebensbereichen der Erkrankten einordnen und bewerten kann. So lässt sich beispielsweise herausfinden, warum eine identische Situation bei Herrn X zu einem Lachen und bei Frau Y zu Tränen führt. Mit diesen Erkenntnissen kann die Pflegeplanung viel besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Wenn das Instrument regelmäßig angewendet wird, erhalten die Pflegenden einen Nachweis dafür, ob eine Maßnahme im konkreten Fall wirkt.

PHINEO: Das Instrument ist sehr komplex in der Anwendung. Können auch gemeinnützige Organisationen H.I.L.DE. nutzen?

Das Instrument wurde ursprünglich für stationäre Einrichtungen angelegt und ist relativ zeitaufwändig. Der Pflegende füllt ein Erfassungsheft für den Erkrankten aus – das dauert in der Regel eineinhalb Stunden – und vergleicht die Ergebnisse mit einem Referenzprofil. Da aber jede Einrichtung anders ist, muss H.I.L.DE. individuell angepasst werden. Überträgt man das Prinzip auf die Arbeit einer gemeinnützigen Organisation, müssen weitere Variablen berücksichtigt und mit den Projektentwicklern abgestimmt werden. Eine Wohlfahrtsorganisation nutzt bereits eine zeitsparende Version des Instruments. Doch derartige Adaptionen sind momentan noch sehr aufwändig und teuer.

PHINEO: Frau Weritz-Hanf, vielen Dank für das Gespräch!