CJD Berlin, Träger: Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V.

Praxislerngruppen

Das Projekt wurde mit dem Wirkt-Siegel prämiert: Februar 2011

Mehr als jede zehnte Schulstunde gefehlt, die Hälfte davon unentschuldigt: Praxislerngruppen machen Berliner Schüler*innen das Lernen in der Schule wieder schmackhaft.

Praxislerngruppen ermöglichen eine andere Art des Lernens – inhaltlich wie strukturell. Ziel ist es, Schuldistanzierte mit einem hohen Fehlzeitenkonto zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. An sieben Berliner Schulen, darunter die berühmte Rütli-Schule, sind zusätzlich zum regulären Schulbetrieb Extraklassen für die Teilnehmer*innen eingerichtet worden. Die Praxislerngruppen sind offen für Schüler*innen der 9. Klasse. Sie sind ein schulisches Vollzeitangebot, das 16 Schüler*innen pro Klasse aufnehmen kann.

Der Praxisbezug ist hier der Schlüssel zum Lernen. Der Unterricht besteht aus praktischer Arbeit im gewählten Berufsfeld (wöchentlich 17 Stunden) und fachtheoretischem Unterricht (wöchentlich 16 Stunden), der sich am Rahmenplan der Berliner Schulen orientiert.

Das Besondere: Für das Einpauken des Stoffs der 9. Klasse haben die Jugendlichen zwei Jahre Zeit. Als Berufsfelder können die Teilnehmer*innen z. B. Gastronomie, Bürokommunikation, Handel, Metalltechnik und Kosmetik wählen.

Die entscheidende Stärke der Praxislerngruppen ist der spezifische, vor Ort einzigartige und auch bundesweit ungewöhnliche schulintegrative Ansatz. Indem sie eine Klassenform neben anderen darstellen, wird Ausgrenzung und Stigmatisierung vorgebeugt. Gleichzeitig wird durch die zweijährige Laufzeit der Klasse 9 dem zusätzlichen Förderbedarf Raum gegeben und Praxisnähe gewährleistet. Die Jugendlichen werden nach dem Abschluss mindestens ein halbes Jahr lang nachbetreut.


Die Praxislerngruppen wurden nach einer Modellphase in der bestehenden Schullandschaft etabliert. Während der Modellphase hatten ca. 360 Schüler*innen teilgenommen. Anstatt zwölfmal kamen die Schüler*innen nur noch dreimal pro Schulhalbjahr zu spät, die unentschuldigt versäumten Einzelstunden verringerten sich von 33 auf zehn, der Schulnotenschnitt verbesserte sich von mangelhaft auf 3,9, die Schüler*innen waren zu einem überwältigenden Anteil hochzufrieden.

76,5 Prozent der Schüler*innen gehen mit dem erfolgreichen Abschluss aus der Praxislerngruppe ins Berufsleben. Mit der starken Praxisorientierung wird gleichzeitig dem Mangel an beruflichen Schlüsselkompetenzen von Auszubildenden Rechnung getragen.

Die Praxislerngruppen zeigen, dass auch dicke Bretter erfolgreich gebohrt werden können. Existierende Schulstrukturen aufzubrechen und sie gleichzeitig effektiv und effizient zu nutzen, ist ein wegweisender Ansatz für die Begleitung unterstützungsbedürftiger Jugendlicher an der Schwelle von der Schule in den Beruf.

Achtung: Daten nicht mehr aktuell

Das Projekt wurde bereits vor längerer Zeit ausgezeichnet, daher sind einige Angaben nicht mehr aktuell. Das Wirkt-Siegel gilt aber weiterhin. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gern!

Wirkt! geprüft & empfohlen

Themenbereiche

  • Bildung & Qualifizierung

Zielgruppe

  • Kinder & Jugendliche

Standort

  • Berlin

Reichweite

  • Regional