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"Wer rastet, geht rückwärts!"

Berlin, 08.04.2019

Thema: PHINEO wirkt!

PHINEO-Vorstände sprechen über Zivilgesellschaft, Zitterpartien und Zukunftspläne

Anne Höhne: Als Wort des Jahres hat die Gesellschaft für Deutsche Sprache Heißzeit gekürt. Die Plätze zwei und drei belegten Funklochrepublik und Ankerzentren. Wo haben sich diese Debatten in PHINEOs Alltag widergespiegelt?

Klaus Becker: Heißzeit? Das war die SKala-Initiative! Wir haben alle Organisationen in Förderung gebracht – in einem Wahnsinnstempo!

Andreas Rickert: Na, dann nehme ich doch mal das zweite Wort, das war Funklochrepublik, oder? Das Wort sagt für mich aus, dass Deutschland strukturell heterogen ist. Das ist ja eigentlich was Schönes, aber es gibt eben auch bestimmte Regionen und Themenfelder, wo noch einiges brach liegt. Bezogen auf das Engagement stellen wir immer wieder fest, dass es bestimmte Akteursgruppen gibt und auch viele Regionen, wo schon viel passiert – und andere, wo das eben nicht der Fall ist. Wir haben die Vision, dass es überall eine sehr, sehr starke Zivilgesellschaft gibt. Insofern gucken wir eben dahin, wo es Lücken gibt, und versuchen diese Löcher des Engagements zu stopfen.

 

Anne Höhne: Welcher Moment im letzten Jahr war euer persönlicher PHINEO-Moment?

Andreas Rickert: Bei PHINEO gibt’s immer unterschiedliche Ebenen, auf denen es Highlights gibt. Zum Beispiel bei der Partnerlandschaft, die kontinuierlich wächst. So habe ich mich sehr gefreut, dass im letzten Jahr die Schöpflin-Stiftung zugesagt hat, den Kreis der Gesellschafter zu erweitern. Die Schöpflin-Stiftung ist ein agiler Player und ich glaube das passt sehr gut zu der Dynamik, die wir bei PHINEO haben. Große Highlights sind außerdem für mich, wo wir nach außen wirken mit unserer Arbeit. Ich persönlich – vielleicht auch, weil ich drei Töchter habe – fand besonders das Thema Empowerment von Mädchen und Frauen gut und wichtig. Insofern habe ich mich gefreut, die ganzen Projekte zu sehen, die wir zu dem Thema ausgezeichnet haben.

Klaus Becker: Für mich war es die Weihnachtsfeier. Das Jahr ist bei PHINEO immer wahnsinnig dynamisch und voll mit unterschiedlichen, diversen Tätigkeiten. Auf der einen Seite ist es eine SKala-Initiative, auf der anderen Seite FEMpowerment, MINT-Bildung, die Unterstützung von Privatpersonen, die sich engagieren wollen. Es gibt unfassbar viel zu tun! Die Weihnachtsfeier ist dann immer zum Ende des Jahres der Moment zum Runterkommen. Da blickt man dann auf die Menschen, die all diese Projekte das ganze Jahr lang gemacht haben und das macht mich dann richtig stolz!

 

Anne Höhne: Hand aufs Herz, habt ihr auch mal gezittert zwischendurch?

Klaus Becker: Immer! [alle lachen] Nichts ist sicher! Wer rastet, geht rückwärts! Wir zittern immer wieder. PHINEO zeichnet sich dadurch aus, dass wir uns regelmäßig in Kontexten bewegen, wo wir neue Dinge machen, die wir vielleicht noch nicht können, wo wir auch mal etwas falsch machen. Das ist aufregend und ja, da zittert man auch mal.

Andreas Rickert: Ja, das gehört eben auch dazu! Das ist die Kehrseite des Agilen, was wir haben. Damit geht eben auch immer Risiko einher. Das hält uns auch frisch! Es gibt für uns zwei Herausforderungen: Wir haben viele tolle Projekte, die müssen aber in der Regel finanziert werden. Hin und wieder ist es dann eine Zitterpartie, ob wir es schaffen, PartnerInnen zu gewinnen. Zum Zweiten merke ich, dass wir als PHINEO über die Jahre mittlerweile ein wichtiger Akteur geworden sind und damit geht auch eine Verantwortung einher. Wir haben jetzt eine Verantwortung für die Gesellschaft und da zittere ich natürlich hin und wieder auch, dass wir dieser Verantwortung gerecht werden.

 

Anne Höhne: Woran zeigt sich die Wirkung PHINEOs?

Klaus Becker: In unserer Wirkungstreppe ist eine der unteren Stufen die Akzeptanz der Zielgruppe gegenüber den Angeboten. Für PHINEO gilt: Als wir begonnen haben, gab es die nicht. Es hat weder jemanden interessiert, was wir vorhaben, noch was Wirkungsorientierung ist. Mittlerweile machen wir zusammen mit den Wohlfahrtsverbänden eine Ausbildung zum Wirkungsmanager. Undenkbar aus der Sicht von 2010 von einem Berufsbild des Wirkungsmanagers oder der Wirkungsmanagerin zu sprechen. Mittlerweile sehe ich eine hohe Akzeptanz bei gemeinnützigen Organisationen, sich wirkungsorientiert aufzustellen. Sie fragen unsere Angebote wie das Wirkt-Siegel aktiv nach. Wir evaluieren unser Wirkt-Siegel – deshalb wissen wir auch, dass es wirkt. Gemeinnützige Organisationen erhalten darüber eine Imageförderung, mehr Geld, Zugang zu Stiftungen. Das sind Dinge, wo wir sehen, dass die Idee, Qualität zu zertifizieren, tatsächlich eine gute war. Wir sehen, dass große DAX-Konzerne und Stiftungen ihre Programme umstellen, dass die Wirkung eines gesellschaftlichen Engagements mittlerweile ein Kriterium ist. Vielleicht ist es nicht immer das höchste und das muss es auch nicht immer sein, aber es ist eins!

 

Anne Höhne: Das Thema Wirkungsorientierung fasst also langsam Fuß in der Zivilgesellschaft. Macht sich PHINEO damit nicht langsam überflüssig?

Klaus Becker: Es wäre sicher wünschenswert, aber was wir in den letzten Jahren gesehen haben, ist: Wir bohren ein ziemlich dickes Brett. Heute diskutieren wir weniger darüber, ob Wirkungsorientierung sinnhaft ist. Das haben wir in den ersten Jahren sehr stark gemacht. Heute diskutieren wir vor allem darüber, wie man das denn bitteschön hinkriegt. Brauchen wir ein Kennzahlensystem oder ist das eine Haltung? Wir würden natürlich sagen, dass es letzteres ist, also eine Haltung. Ich hatte mal die Idee, dass das vielleicht drei bis fünf Jahre dauert bis diese Haltung im Sektor angekommen ist. Das war natürlich naiv. Jetzt sind wir also beim Wie gelandet. Und das Wie ist viel komplizierter als das Ob. Deswegen glaube ich, dass ich die Überflüssigkeit von PHINEO nicht mehr erleben werde.

 

Anne Höhne: Gibt es da draußen einen Partner, mit dem ihr unbedingt mal zusammenarbeiten wollt?

Andreas Rickert: Was wirklich von Anfang an in PHINEOs Genen steckt, ist partnerschaftliches Agieren. Wir wussten schon immer, dass wir unsere Vision nicht erreichen können, wenn wir allein unterwegs sind. Wenn man in die Partnerlandschaft reinguckt, dann ist sie extrem breit. Das macht uns besonders auch in Hinblick darauf, dass wir über alle Sektorengrenzen hinweg PartnerInnen aller Größenordnungen haben und dass diese teilweise sehr unterschiedliche gesellschaftliche Ideen verfolgen. Aber klar, da draußen gibt’s noch sehr viele, mit denen wir gerne zusammenarbeiten würden. Wir arbeiten mit großen Konzernen zusammen, aber in Deutschland wird sehr viel von Familienunternehmen getragen im wirtschaftlichen Bereich und in der DNA von Familienunternehmen steckt auch Nachhaltigkeit, langfristiges Denken, Verantwortung. Deshalb glaube ich, dass das eine Gruppe ist, mit der wir perspektivisch sehr viel mehr machen werden.

Klaus Becker: Ich stimme Andreas völlig zu. Familienunternehmen sind für uns spannende PartnerInnen. Es gibt allerdings auch noch viele NGOs, mit denen wir mehr zusammenarbeiten wollen. Es ist also noch lange nichts „fertig“. Wir haben immer noch ein Interesse daran, mehr und breitere Partnerschaften einzugehen.

 

Anne Höhne: Spulen wir ein Jahr vor. Wie sieht es in der Gesellschaft aus, wenn Akteure wie PHINEO ihre Arbeit gut gemacht haben?

Andreas Rickert: Ein Jahr reicht nicht, um so etwas wirklich zu sehen. Deswegen gehören wir zu denen, die sehr langfristig agieren. Wenn wir so weitermachen, wie wir das jetzt tun, werden wir kontinuierlich unsere Wirkung steigern. Im nächsten Jahr möchte ich, dass wir besonders beim Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt einen echten Beitrag leisten.

Klaus Becker: Wir werden in einem Jahr wieder zivilgesellschaftliche Akteure haben, die wir im Themenfeld gesellschaftlicher Zusammenhalt analysiert haben, die mit dem Wirkt-Siegel ein Qualitätssiegel und Zugang zu Fördernden bekommen haben. Wir werden wieder einige große und mittelständische Unternehmen mit einer wirkungsorientierten Förderpolitik haben. Deren Gelder werden am Ende einen Beitrag leisten können zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung. Wir werden vielen Organisationen im Rahmen der SKala-Initiative geholfen haben mit einer sehr freien, quasi institutionellen Förderung ihre organisatorische Stabilität zu entwickeln oder zu erhalten, Partnerschaften aufzubauen, gute Projekte durchzuführen. Damit hoffen wir, dass wir insgesamt die Zivilgesellschaft stärken.

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