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Mit den SDGs über den Tellerrand wirken

Berlin, 14.02.2019

Thema: Wirkung und Transparenz

EZ-Scout Maite Deuchert über das Zusammenspiel von Stiftungen und internationaler Entwicklungszusammenarbeit

Portrait von Maite Deuchert, EZ-Scout bei PHINEO

Von den Sustainable Development Goals (SDGs) hört man immer öfter. Worum geht es da eigentlich?

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, bekommen tatsächlich immer mehr Aufmerksamkeit. Dirk Meissner, der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) setzt die SDGs sogar mit der Verkündung der Menschenrechts-Charta von 1948 in Paris gleich.  

Die Ziele sind ein politischer Aufruf, in welchem sich 193 Staaten der Welt darauf einigten, sich nachhaltig zu entwickeln - und zwar auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene. Die SDGs sind sozusagen ein globaler Gesellschaftsvertrag, um Lösungen für aktuelle Herausforderungen, wie z. B. Armut, Innovation und Infrastruktur, Gesundheit und Bildung, aber auch Geschlechtergleichheit und nachhaltige Wirtschaftssysteme, zu finden und gemeinsam zu handeln.

Die Themen, die in den SDGs zusammengefasst sind, waren natürlich schon vorher zentral für die entwicklungspolitische Arbeit. Aber mit der Agenda 2030 gibt es nun ein globales Verständnis und konkrete Ziele, die man gemeinsam erreichen möchte.
 

Was macht die SDGs so besonders?

Die SDGs beinhalten einen komplett neuen Ansatz der internationalen Zusammenarbeit, denn jeder trägt nun eine aktive Rolle. So werden beispielsweise alle Länder als Entwicklungsländer verstanden – entgegen der bisherigen Aufteilung in der Entwicklungspolitik, in der es „entwickelte Länder“ und „Entwicklungsländer“ gibt, die nach einem karitativen Verständnis durch Industrienationen gefördert werden. Gleichzeitig gibt es in Europa einige prekäre Themen, die einen globalen Einfluss haben, wie z. B. die CO2-Emmissionen oder die Industrialisierung.

Darüber hinaus fordern die SDGs explizit eine Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg. Das heißt, hier sind nicht wie sonst üblich nur staatliche Akteure aktiv, sondern auch zivilgesellschaftliche Gruppen, Stiftungen, Unternehmen, Start-Ups und die Finanzbranche setzen sich zunehmend für die globalen Nachhaltigkeitsziele ein. Damit können wir in der Entwicklungszusammenarbeit neue Kooperationsformen austesten und mehr innovative Lösungsansätze entwickeln.
 

Wie sehen solche Kooperationen in der Entwicklungszusammenarbeit aus?

In der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) werden Länder in ihren Bemühungen unterstützt, wirtschaftliche, soziale, ökologische und politische Verhältnisse zu verbessern. Dafür arbeiten Bundesregierung, Entwicklungs- und Schwellenländer sowie Akteure aus Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft in Deutschland wie auch in den Partnerländern eng zusammen – und zwar auf Augenhöhe.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) möchte gezielt langfristige Kooperationen zwischen den zivilgesellschaftlichen, privaten und staatlichen Akteuren der internationalen Zusammenarbeit fördern. Dafür entsendet das BMZ seit 2011 sogenannte EZ-Scouts in Wirtschaftsverbände, Ländervereine, Industrie-, Handels- und Handwerkskammern, wo sie beratend zur Seite stehen und zwischen den verschiedenen Akteuren vermitteln. 2017 wurde das Programm schließlich in Kooperation mit Engagement Global auf Institutionen des Stiftungs- und Philanthropie-Bereichs ausgeweitet. Seit rund einem Jahr bin ich als EZ-Scout bei PHINEO tätig.

Welche Rolle spielen Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeit?

Es gibt viele Überschneidungen zwischen dem Engagement von Stiftungen oder Einzelpersonen und den Zielen der Entwicklungszusammenarbeit. In die entwicklungspolitische Arbeit einzusteigen, erscheint vielen Stiftungen zunächst kompliziert – auch, weil es häufig an dem notwendigen Know-how fehlt: Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt für Stiftungen, sich entwicklungspolitisch zu engagieren? In welchem Themenfeld möchte ich aktiv werden? Wo finde ich die richtigen Ansprechpersonen und wie gestalten sich die rechtlichen Rahmenbedingungen vor Ort? Viele komplexe Fragestellungen, die sich am besten durch eine Beratung mit erfahrenen ExpertInnen wie den EZ-Scouts klären lassen.

Das Schöne ist, dass es erst einmal keine Begrenzung in Region oder Thema gibt. Auch, wenn jeder und jede von uns einen eigenen Schwerpunkt mitbringt, können wir innerhalb unseres Netzwerks unsere Expertise entsprechend zusammenbringen oder an andere verweisen, die sich z. B. in einem Land oder einem Themenfeld besonders gut auskennen.
 

Was treibst Du als EZ-Scout konkret bei PHINEO voran?

Ich berate allgemein rund um das Thema Entwicklungszusammenarbeit und Wirkungsorientierung, entwickle Konzepte und bringe Akteure aus unterschiedlichen Sektoren zusammen. Durch meinen Hintergrund treibt mich insbesondere die Frage, wie man die wirtschaftlichen Strukturen in Entwicklungs- und Schwellenländern nachhaltig unterstützen kann. Im Fokus stehen Sozialunternehmertum, Impact Investing und die Unterstützung von unternehmerischen Ökosystemen.

Von deutscher Seite aus entwickle ich gemeinsam mit dem Team von PHINEO gerade verschiedene Ansätze im Finanzierungsbereich. Diese sollen unter anderem eine bessere Kooperation von Stiftungen und PhilanthropInnen und sozialen InvestorInnen in der EZ ermöglichen, insbesondere neue Fondslösungen und wirkungsorientierte Finanzierungsmechanismen (Stichwort: pay for success). Wirkungsorientiertes Investieren und Kooperationen mit Sozialunternehmen sind im entwicklungspolitischen Kontext für Deutschland noch recht junge Themen. Es wird also spannend in den kommenden Jahren.

 

Erfahren Sie in unserem Factsheet (PDF, 4.8 MB) mehr über Ihre Möglichkeiten, sich nachhaltig in der Entwicklungszusammenarbeit zu engagieren.

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Maite Deuchert ist Mitarbeiterin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und seit 2017 als Beraterin für entwicklungspolitische Themen im Auftrag des BMZ bei PHINEO im Einsatz. Davor war sie sechs Jahre lang für die GIZ im arabischen Raum, in Westafrika und Deutschland tätig. Ihre Schwerpunkte lagen hier bei den Themen Inclusive Business, Social Entrepreneurship und Impact Investing. Ihre Expertise sowie ihr nationales und internationales Netzwerk stellt sie gern Stiftungen und PhilanthropInnen, Unternehmen und Impact InvestorInnen zur Verfügung.

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