Unver­hofft kommt viel zu sel­ten – die 8 größten Irrtümer über wirkung­sori­en­tiertes Fördern

Viele Förder*innen legten lange Zeit lediglich Wert darauf, dass ihr Geld sozialen Zweck­en zugute kam. Was mit dem Geld tat­säch­lich geschah, welche Wirkung der Ein­satz erzielte, schien nachrangig.

Diese Scheck­buch-Phil­an­thropie ist über die Jahre einem mod­er­nen Ver­ständ­nis des Stiftens gewichen: För­der­mit­tel sollen nicht mehr nur irgend­wie einge­set­zt wer­den, son­dern dabei auch gesellschaftliche Wirkun­gen erzie­len, und zwar solche, die sich nach­weisen und bele­gen lassen. 

Doch die Frage, wie sich Mit­tel möglichst effek­tiv ein­set­zen lassen, über­fordert Förder*innen, Stifter*innen und Organ­i­sa­tio­nen gle­icher­maßen. Dies umso mehr, da in der Diskus­sion auch über­zo­gene Erwartun­gen hin­sichtlich Wirkung und Wirkungsmes­sung laut wer­den. Diese möcht­en wir an dieser Stelle einfangen.

1. Irrtum: Wirk­sam Fördern ist eine reine Vernunftentscheidung

In der zunehmend medi­al geführten Debat­te über effek­tive För­der­mit­telver­gabe gehen manche Stim­men soweit, Emo­tio­nen bei der Förder­entschei­dung gän­zlich zu ver­teufeln. Das ist natür­lich stark übertrieben. 

Effek­tiv­ität und per­sön­liche Vor­lieben schließen sich keineswegs aus, im Ide­al­fall sind bei­de eng miteinan­der verknüpft. Genau­so wenig, wie es reicht, dass es einem beim Spenden so schön warm ums Herz wird, wird es sozialen Pro­jek­ten gerecht, sie auss­chließlich anhand von Kenn­zahlen zu bewerten. 

Daher: Förder­entschei­dun­gen soll­ten gemein­sam mit Herz und Ver­stand getrof­fen werden. 

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2. Irrtum: Der Nutzen allein bes­timmt die Förderentscheidung

Natür­lich: Wer Gutes bewirken will, sollte seine Förder­entschei­dung auch danach tre­f­fen, ob und wem das Pro­jekt tat­säch­lich nützt. Eine Förder­entschei­dung, die auf eine bes­timmte oder gar definierte Wirkung für Men­sch und Natur abzielt, ist ein­er, die allein aus guter Absicht her­aus getrof­fen wird, immer überlegen.

Insofern ist bei der Förder­entschei­dung rel­e­vant, ob und wie sich der Nutzen des Pro­jek­ts ermit­teln lässt:

  • Welche gesellschaftlichen, sozialen etc. Wirkun­gen erzielt das Pro­jekt, welche nicht?
  • Was trägt dazu bei, diese Wirkun­gen zu erreichen?

Keineswegs sollen und müssen sämtliche Förder­entschei­dun­gen durch reine Nutzen-Erwä­gun­gen definiert sein; das wäre das Ende von Kun­st und Kul­tur. Allerd­ings soll­ten Sie als Förder*in den Nutzen nie aus den Augen ver­lieren.

3. Irrtum: Wirkung lässt sich am besten in Zahlen ausdrücken

Wer seine Förder­entschei­dung vom sozialen Nutzen des Pro­jek­ts abhängig macht, braucht dafür Wirkungs­belege. In der Folge wer­den Organ­i­sa­tio­nen zunehmend mit dem Wun­sch nach mess­baren Resul­tat­en kon­fron­tiert.

Obgle­ich dieser Trend zu begrüßen ist, dür­fen Zahlen oder mon­etäre Werte nicht der einzige Maßstab dafür sein, ob eine Förderung bewil­ligt wird oder nicht. Wenn Sie nach Arbeits- und Wirkungs­bele­gen fra­gen, set­zen Sie bess­er auf eine gesunde Mis­chung aus quan­ti­ta­tiv­en und qual­i­ta­tiv­en Ergeb­nis­sen. Der Wert guter Pro­jek­tar­beit lässt sich auch erken­nen, wenn ihr kein Preiss­child umhängt!

4. Irrtum: Eine Förderung sollte immer höch­st­mögliche Effek­tiv­ität erre­ichen wollen

Eine vielfach gehörtes, über­spitztes Mot­to geht so: Um viel zu bewe­gen, braucht es ein Max­i­mum an Effek­tiv­ität. Also wer­den vor der Förder­entschei­dung Sta­tis­tiken, Stu­di­en und Bench­marks herange­zo­gen, was dur­chaus richtig sein kann, weil sie ver­hin­dern, dass Förderkonzepte aus dem Bauch her­aus entstehen.

Allerd­ings sollte man nicht dem Irrtum ver­fall­en, dass Sta­tis­tiken und Bench­marks alles erk­lären. Sie liefern lediglich Anhalt­spunk­te; die Wirkung ergibt sich stets aus dem einzel­nen Pro­jekt.

Das­selbe gilt, wenn Pro­jek­te an Wirkungszie­len aus­gerichtet und her­nach bew­ertet wer­den. So wichtig das ist: Als Förder*in tun Sie gut daran, wenn Ihr Förder­pro­gramm nicht bis ins Let­zte durchra­tional­isiert ist. Wirkung­sori­en­tierung ist mehr als ein bloßes Preis-Leis­tung-Ver­hält­nis. Siehe Irrtum 3.

5. Irrtum: Eine Pro­jek­t­förderung muss gesellschaftliche Verän­derun­gen anstreben

Vie­len Förder*innen ist es zu wenig, nur die Lebenslage einzel­ner bedürftiger Per­so­n­en vor Ort zu verbessern. Es müsse doch mehr drin sein, am besten eine gesamt­ge­sellschaftliche Wirkung!

Nun ist die Vision, etwas am großen Ganzen ändern zu wollen, unbe­d­ingt erstrebenswert. Allerd­ings wer­den Entwick­lun­gen auf gesellschaftlich­er Ebene von vie­len Fak­toren bee­in­flusst. Ein kausaler Zusam­men­hang zwis­chen Pro­jekt und Impact lässt sich häu­fig nur schw­er und oft auch gar nicht nach­weisen. Überdies stellen sich gesellschaftliche Wirkun­gen meis­tens auch erst nach erhe­blich­er Zeit ein – Jahren oder Jahrzehn­ten. Insofern ist es rat­sam, wenn Sie Ihre Ansprüche an die Wirkungsre­ich­weite nicht zu hoch zu schrauben.

6. Irrtum: Nur das wirkungsvoll­ste Pro­jekt ist förderungswürdig

Natür­lich sollte die Frage, welche Wirkung ein Pro­jekt voraus­sichtlich erzie­len wird, maßgebend sein bei der Förder­entschei­dung. Sie soll­ten allerd­ings ver­mei­den, dass sich daraus ein Wirk­samkeits-Wet­tbe­werb” entspinnt.

Es ist müßig, ewig darüber zu grü­beln, ob ein anderes Pro­jekt mit der­sel­ben Förder­summe vielle­icht noch mehr erre­ichen kann. So ein Pro­jekt wird es mit Sicher­heit irgend­wo geben, und sehr wahrschein­lich wer­den Sie es nie finden.

Entschei­dend ist vielmehr die Ein­sicht, dass es neben dem allerbesten noch viele andere sehr gute Pro­jek­tan­sätze gibt. Das heißt: Ver­sich­ern Sie sich, dass Ihr Pro­jekt das Poten­zial hat, die angestrebten Verän­derun­gen her­beizuführen – es muss dabei aber keinen Reko­rd auf­stellen und alle anderen abhängen!

7. Irrtum: Förder­lück­en schließen hat Vorrang

Viele Förder*innen suchen gezielt nach Engage­ment­feldern, in denen sie Förder­lück­en ver­muten. Das ist grund­sät­zlich ein sin­nvoller Ansatz, sofern er ver­hin­dert, dass sich För­der­maß­nah­men in ein­er Region über­schnei­den oder sog­ar eine Über-Förderung entste­ht.

Aber: Förder*innen soll­ten nicht auss­chließlich auf die Lück­en-Strate­gie ver­trauen. Vielmehr soll­ten sich Förder­entschei­dun­gen aus einem konkreten Bedarf ergeben. Im Ergeb­nis dieser Bedarf­sori­en­tierung kann es wirk­samer sein, wenn Sie ein bere­its beste­hen­des Ange­bot unter­stützen, als nach Lück­en zu suchen.

8. Irrtum: Eine Anschub­fi­nanzierung muss reichen!

Kein*e Förder*in, der nicht den Wun­sch äußert, am lieb­sten nur eine Anschub­fi­nanzierung leis­ten zu wollen, und sich her­nach anderen Pro­jek­ten wid­men zu wollen. So erfreulich es ist, wenn Sie sich bere­it erk­lären, vielver­sprechende Pro­jek­tideen mit auf die Schiene zu hieven, so irrig ist die Vorstel­lung, dass der Kar­ren dann von allein rollt, denn das tut er nicht.

Ein gutes Pro­jekt braucht vor allem Ver­ste­ti­gung und dauer­hafte Förderung. Ver­mei­den Sie also eine zu starke Fix­ierung auf Start-ups und Mod­ell­pro­jek­te; es ist eben­so lohnend, in die nach­haltige Begleitung wirk­samer Pro­jek­te zu investieren. Nur durch stetige Zuwen­dun­gen kön­nen wirk­same Pro­jek­te richtig Fahrt aufnehmen und Wirkung ent­fal­ten.

Faz­it

Das Streben nach Wirkung unter­liegt keinen Dog­men. Jede*r Förder*in allein bes­timmt, wie viel Wirkung­sori­en­tierung sie dem Förder­pro­jekt zumuten möchte. Bei vie­len Aspek­ten gibt es kein klares richtig oder falsch – entschei­dend ist vielmehr, Fördern als Prozess zu begreifen, der weit über das bloße Geldgeben hin­aus reicht. Haben Sie das verin­ner­licht, ist der größte Schritt bere­its getan!

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