Mehr Wert für alle – Wie sich der Mit­tel­stand fürs Gemein­wohl engagiert

Zwei von drei Unternehmen in Deutsch­land engagieren sich für gesellschaftliche Belange. Auch wenn keine Detailzahlen ver­füg­bar sind, ist davon auszuge­hen, dass mit­tel­ständis­che Betriebe einen erhe­blichen Teil der jährlich ca. 11 Mrd. Euro Unternehmensspenden stemmen. 

Natür­lich fol­gen die Investi­tio­nen ein­er betrieb­swirtschaftlichen Logik: Wer sich zugun­sten der Gesellschaft engagiert, genießt ein besseres Image und kann sich geschick­ter posi­tion­ieren. Es wäre allerd­ings stark verkürzt, würde man die Investi­tio­nen allein auf den unternehmerischen Mehrw­ert reduzieren. Vielmehr ist das gesellschaftliche Engage­ment in mit­tel­ständis­chen Unternehmen tra­di­tionell stark verankert.

Beson­ders für alteinge­sessene Betriebe oder Fam­i­lienun­ternehmen sind Ver­ant­wor­tung und Gemeinsinn nicht nur wertvolle Stan­dort­fak­toren, son­dern auch Teil des Selb­stver­ständ­niss­es: Wer kann, der gibt. Zwar fehlen ihnen im Gegen­satz zu Großkonz­er­nen häu­fig die Ressourcen für eigene CSR-Abteilun­gen, aber wie das Beispiel des Frucht­saft­pro­duzen­ten Eck­es-Grani­ni zeigt, muss das kein Nachteil sein.

Neuaus­rich­tung des Unternehmensengagements

Bish­er engagierte sich Eck­es-Grani­ni vor allem über die unternehmen­sna­he Eck­es Fam­i­lien­s­tiftung und unter­stützte sowohl kleinere lokale als auch inter­na­tionale soziale Ini­tia­tiv­en. Förderideen kamen dabei aus dem Kreis der Mitar­bei­t­en­den oder der Fam­i­lie Eckes. 

2013 entsch­ied die Geschäfts­führung, sich auf die mit dem Kerngeschäft verknüpften The­men Nach­haltigkeit und Soziales Engage­ment zu fokussieren und diese sys­tem­a­tis­ch­er anzugehen. 

Zusät­zlich zum mitar­beit­er­getriebe­nen Engage­ment, das weit­er­hin von der Unternehmenss­tiftung getra­gen wird, ent­stand die Idee, ein the­ma­tisch passendes Leucht­turm­pro­jekt zu entwickeln.

Strate­gieen­twick­lung als Gemeinschaftsaufgabe

Da eine Engage­mentstrate­gie nur dann langfristig erfol­gre­ich ist, wenn sie vom gesamten Unternehmen getra­gen wird, wurde eine bere­ich­süber­greifende inter­na­tionale Arbeits­gruppe gebildet und frühzeit­ig an einen Tisch gebracht. So stellte Eck­es-Grani­ni sich­er, dass die Per­spek­tiv­en der ver­schiede­nen Geschäfts­bere­iche berück­sichtigt wurden. 

Einge­bun­den waren unter anderem Mitar­beit­er aus den Bere­ichen Qual­itätssicherung, Unternehmen­skom­mu­nika­tion sowie Per­son­al und Beschaf­fung. Zusät­zlich wur­den weit­ere wichtige interne Stake­hold­er wie etwa der CEO und Mit­glieder der Eigen­tümer­fam­i­lie befragt. 

Es gab inner­halb des Man­age­ments doch sehr unter­schiedliche Sichtweisen was und wer unter­stützt wer­den sollte. Alle hin­ter eine gemein­sam getra­genes Pro­jekt zu brin­gen war sich­er eine der größten Her­aus­forderun­gen“, sagt Rupert Eben­beck, Direk­tor Cor­po­rate Com­mu­ni­ca­tions bei Eck­es-Grani­ni. Wie sollte bspw. das Leucht­turm­pro­jekt real­isiert wer­den? Sollte es sich um ein Pro­jekt in einem Zulief­er­erland han­deln, das direkt die Lebens­be­din­gun­gen der Bevölkerung vor Ort verbessert? Oder sollte es doch eher lokal am Stan­dort in Deutsch­land ange­siedelt sein? 

Auch entschei­dende Aspek­te wie die Frage, ob das Pro­jekt aus dem Unternehmen her­aus gän­zlich neu entwick­elt wer­den sollte oder man sich der Hil­fe gemein­nütziger Organ­i­sa­tio­nen bedi­ent, blieben ein­gangs ungeklärt.

Unter­stützung durch unab­hängige Berater

Aus diesem Grunde wur­den im näch­sten Schritt externe Berater*innen hinzuge­zo­gen, die gemein­sam mit allen Pro­jek­t­beteiligten eine Vision und Mis­sion des Unternehmensen­gage­ments erar­beit­eten, die Gruppe mod­erierten, den Prozess steuerten und die rel­e­van­ten Fra­gen zur Entschei­dungs­find­ung einbrachten:

  • Welche Ziele sollen mit dem Engage­ment erre­icht wer­den und warum? 
  • Was sind Erfahrun­gen und Gelin­gen­skri­te­rien für Pro­jek­te dieser Art? 
  • Welche The­men und Län­der eignen sich für ein Engage­ment, das der Hal­tung des Unternehmens entspricht? 
  • Welche Rah­menbe­din­gun­gen sind für die Suche ein­er geeigneten Projektpartner*in vorgegeben? 

Diese Phase erstreck­te sich über einen Zeitraum von mehreren Monat­en, in dem par­al­lel zu inter­nen Umfra­gen, Work­shops und Arbeit­str­e­f­fen auch eine Bench­mark-Analyse ange­fer­tigt wurde.

Im Ergeb­nis entsch­ied sich die Arbeits­gruppe für den Auf­bau eines langfristig angelegten Leucht­turm­pro­jek­ts in Äthiopi­en, da hier die Entwick­lungs­be­darfe beson­ders hoch sind. Als the­ma­tis­che Schw­er­punk­te wur­den Land­wirtschaft und Ernährung iden­ti­fiziert – passend zum Kerngeschäft der Frucht­saft­pro­duk­tion. Eine Umfel­d­analyse hat­te vor­ab ergeben, dass in diesen Hand­lungs­feldern ein hoher Bedarf bei den Ziel­grup­pen besteht.

Organ­i­sa­tion als Part­ner­in unverzichtbar

Während des Prozess­es kristallisierte sich her­aus, dass Eck­es-Grani­ni für eine erfol­gre­iche Umset­zung des Leucht­turm­pro­jek­ts einen kom­pe­ten­ten Part­ner braucht. Dieser zukün­ftige Part­ner aus dem gemein­nützi­gen Bere­ich musste vor Ort bestens ver­net­zt sein und über hin­re­ichende Erfahrung in ver­gle­ich­baren Pro­jek­ten ver­fü­gen. Außer­dem sollte die Organ­i­sa­tion pro­fes­sionell aufgestellt sein, trans­par­ent arbeit­en und Ergeb­nisse ihrer gesellschaftlichen Wirkung nach­weisen können. 

Neben diesen harten Kri­te­rien waren aber auch die Soft Skills gefragt – denn eine Part­ner­schaft zwis­chen einem Unternehmen und einem gemein­nützi­gen Part­ner sollte wie eine gute Ehe angelegt sein: mit gegen­seit­igem Ver­trauen, langfristiger Pla­nung und unbe­d­ingt auf Augen­höhe. Bei­de Part­ner soll­ten offen und ehrlich miteinan­der kom­mu­nizieren, gemein­same Ziele ver­fol­gen und die jew­eili­gen Stärken anerkennen.

Auf Basis all dieser Dat­en und Über­legun­gen erstellte das Beraterteam eine Short-List geeigneter Organ­i­sa­tio­nen und begleit­ete Eck­es-Grani­ni beim ersten Tre­f­fen mit deren Vertretern, in denen es um gemein­same Schnittmen­gen und die jew­eili­gen Arbeitsweisen ging.

Am Ende dieses mehrmonati­gen Prozess­es ste­ht nun eine langfristig angelegte Part­ner­schaft zwis­chen Eck­es-Grani­ni mit der inter­na­tionalen Hil­f­sor­gan­i­sa­tion World Vision, denn sie zeich­net sich durch langjährige Erfahrung mit ver­gle­ich­baren Pro­jek­ten, eine starke Präsenz vor Ort und ein kom­pe­tentes Team aus“, wie Eben­beck betont. Die Organ­i­sa­tion ist zudem her­vor­ra­gend ver­net­zt und hat wirkungsvolle Hand­lungsan­sätze mehrfach unter Beweis gestellt. 

Dadurch, dass World Vision von Eck­es-Grani­ni nun länger­fristig unter­stützt wird, kann die Organ­i­sa­tion in Äthiopi­en in nach­haltige Struk­turen investieren und dadurch eine pos­i­tive Wirkung bei den Ziel­grup­pen erzielen.

Kurz & knapp

Aus dem Beispiel von Eck­es Grani­ni kön­nen Stiftun­gen dreier­lei lernen:

  1. Auch mit ver­gle­ich­sweise wenig Ressourcen lassen sich große Pro­jek­te stem­men, sofern die entsprechende Fokussierung gelingt. Die knap­pen Mit­tel zu bün­deln, erfordert nicht nur Mut und strate­gis­ches Geschick, son­dern auch einen Kon­sens unter allen Stake­hold­ern. Ins­beson­dere bei langfristig aufge­set­zten Pro­jek­ten ist dieser Kon­sens immens wichtig, weil anderen­falls Moti­va­tion und Unter­stützung ver­loren gehen können.
  2. Eine ziel­gerichtete Mod­er­a­tion hil­ft unge­mein, die unter­schiedlichen Inter­essen abzufra­gen und unter einen Hut zu brin­gen. Sie erle­ichtert die Prozesss­teuerung, weil sie die rel­e­van­ten Fra­gen von Beginn an einbringt.
  3. Eine langjährige Förder­part­ner­schaft set­zt einen Verän­derungs- und Entwick­lungswillen auch auf Seit­en des Geldge­bers voraus. 

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