Querwechsler*innen in der Ver­wal­tung – Teil 2

War­um die Ver­wal­tung drin­gend neue Exper­ti­se braucht – und wie sie sie findet

Der poli­ti­sche Wil­le ist da. Der demo­gra­fi­sche Wan­del schafft ein Mög­lich­keits­fens­ter. Und genug Arbeit gibt es auch in den Ver­wal­tun­gen. Trotz­dem: Quer­wech­seln in die Ver­wal­tung ist her­aus­for­dernd und sel­ten. Ande­re Län­der sind deut­lich wei­ter. Wir haben Dr. Sebas­ti­an Musch­ter vom Quer­wechs­ler-Netz­werk gefragt: Wie öff­net man die Türen für Expert*innen ohne juris­ti­sches Staatsexamen?

PHI­NEO Public: Sebas­ti­an, Du bist Mit­grün­der des Quer­wechs­ler-Netz­werks. Ihr setzt euch für diver­se Kar­rie­ren im öffent­li­chen Sek­tor ein. War­um ist dir das The­ma so wichtig? 

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Ich bin selbst Quer­wechs­ler und habe mehr­fach inner­halb der Ver­wal­tung und auch für die Ver­wal­tung als Bera­ter gear­bei­tet. Mich treibt an, dass das Ver­trau­en in die Demo­kra­tie viel mit dem Ver­trau­en in die Leis­tungs­fä­hig­keit des Staa­tes zu tun hat. Inso­fern hängt der Zuspruch für die AfD aus mei­ner Sicht auch eng mit dem Dra­ma rund um den Ber­li­ner Flug­ha­fen und ande­ren Ver­wal­tungs­bau­stel­len“ zusam­men. Wahr­schein­lich sogar mehr, als den Men­schen klar ist, denn: Das Ver­spot­ten des Staa­tes, die­ses Die kön­nen nix!“, ist schlim­mer gewor­den. Ich hal­te das für sehr demo­kra­tie­ge­fähr­dend. Wenn ich und die ande­ren Querwechsler*innen dage­gen etwas tun kön­nen, dann möch­ten wir das sehr ger­ne tun. 

Über Dr. Sebas­ti­an Muschter

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter wech­selt 2016 zum ers­ten Mal aus der Pri­vat­wirt­schaft (McK­in­sey) in die öffent­li­che Ver­wal­tung und über­nahm kom­mis­sa­risch als Prä­si­dent die Lei­tung des Ber­li­ner Lan­des­amts für Gesund­heit und Sozia­les (LAGe­So). 2017 wirk­te er in der Ber­tels­mann Stif­tung bevor er 2019 zur PD GmbH – der Inhouse-Bera­tung der öffent­li­chen Hand – wech­sel­te und dort die Regi­on Süd­wes­ten auf­bau­te. Heu­te ist er CEO bei alde­phi, einer inter­na­tio­nal ori­en­tier­ten Bera­tung für Nach­hal­tig­keit. Sebas­ti­an ist einer der drei Gründer*innen des Quer­wechs­ler-Netz­werks. (Foto: adelphi)

PHI­NEO Public: Was kön­nen Querwechsler*innen für die Leis­tungs­fä­hig­keit des Staa­tes und damit für die Demo­kra­tie tun? Wo wer­den sie gebraucht? 

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Querwechsler*innen sind rele­vant, wenn es dar­um geht, die Manage­ment- und Umset­zungs­fä­hig­kei­ten der Ver­wal­tung zu stär­ken. Sie hel­fen dabei, Pro­jek­te und Ver­än­de­run­gen gut zu pla­nen und brin­gen dafür neue Fähig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen mit. Es braucht sie aber auch als Fachexpert*innen. Gera­de bei The­men wie Digi­ta­li­sie­rung, KI oder Cyber-Secu­ri­ty hat die Ver­wal­tung intern wenig Wis­sen. Die­se The­men kön­nen eigent­lich nur mit Querwechsler*innen gelöst wer­den. Das erkennt die Poli­tik inzwi­schen auch an, ins­be­son­de­re in Spe­zi­al­the­men­ge­bie­ten und beim Manage­ment von Großprojekten.

PHI­NEO Public: Du sagst, die Poli­tik erkennt den Bedarf. Das The­ma taucht seit den 2010-er Jah­ren in diver­sen Koali­ti­ons­ver­trä­gen auf. Die Stu­di­en­la­ge zeigt aber, dass die­se Art von Wech­seln immer noch nicht so häu­fig statt­fin­det, wie gewünscht. Wor­an liegt das?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: In gewis­ser Wei­se ist das ein Markt­ver­sa­gen, denn das hat was mit Ange­bot und Nach­fra­ge zu tun. Aus unse­rer Sicht haben wir vor allem ein Nach­fra­ge­pro­blem. Es gibt zwar poli­ti­sche Wil­lens­be­kun­dun­gen – aber dann hört es auf. Die Legis­la­ti­ve und die gewähl­ten Spit­zen in den Exe­ku­tiv­or­ga­nen, die Staatssekretär*innen und Minister*innen, küm­mern sich nicht genug dar­um, dass die­sem poli­ti­schen Wil­len auch wirk­lich Taten folgen. 

Für die Stel­le einer Füh­rungs­kraft oft ein juris­ti­sches Staats­examen Grund­vor­aus­set­zung. Aber fach­lich geeig­ne­te Querwechsler*innen, die auch noch juris­ti­sche Staats­examen mit­brin­gen, sind sel­ten wie Trüffel.”

PHI­NEO Public: Was stoppt die Umset­zung die­ser poli­ti­schen Willensbekundungen?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Es gibt ver­schie­de­ne Grün­de. Hier sind drei Bei­spie­le: Ers­tens ist für die Stel­le einer Füh­rungs­kraft oft ein juris­ti­sches Staats­examen Grund­vor­aus­set­zung. Aber fach­lich geeig­ne­te Querwechsler*innen, die auch noch juris­ti­sche Staats­examen mit­brin­gen, sind sel­ten wie Trüf­fel. Gleich­zei­tig gibt es Pfad­ab­hän­gig­kei­ten”: Wenn die bis­he­ri­ge Füh­rungs­kraft in der Ver­wal­tung ein zwei­tes juris­ti­sches Staats­examen hat­te, wird dies mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit eine Grund­vor­aus­set­zung für die Neu­be­set­zung. Ein­fach, weil für die Stel­len­aus­schrei­bung das Stel­len­pro­fil der Vor­gän­ger­per­son benutzt wird. Es sind genau die­se unbe­dach­ten Auto­ma­tis­men, die den Ein­stieg von Querwechsler*innen verhindern. 

Zwei­tens sind for­ma­le Qua­li­fi­ka­tio­nen ins­ge­samt eine extrem wich­ti­ge Ein­gangs­vor­aus­set­zung im öffent­li­chen Sek­tor. Denn sie erlau­ben, ein­fach und objek­tiv zwi­schen ver­meint­lich geeig­ne­ten und unge­eig­ne­ten Kandidat*innen zu unter­schei­den – die Angst vor Kla­gen durch abge­lehn­te Bewerber*innen ist rie­sig. Das Pro­blem ist aller­dings, dass es wahr­schein­lich mehr ech­te Cyber Security-Expert*innen mit abge­bro­che­nem Stu­di­um gibt als sol­che mit Mas­ter­ab­schluss. Hier bräuch­te es viel mehr Fle­xi­bi­li­tät und Mut. 

Drit­tens wer­den die­se Stel­len nicht auf bekann­ten Por­ta­len aus­ge­schrie­ben. Es wer­den auch kei­ne Head­hun­ter genutzt. Häu­fig sind die Stel­len nur auf dem Stel­len­por­tal der Ver­wal­tung Inter­amt“ zu fin­den. Die Cyber Secu­ri­ty-Exper­tin guckt sich aber nicht auf Inter­amt nach neu­en Stel­len um. Das heißt: Die bes­ten Leu­te wer­den nicht ange­spro­chen – vor allem nicht proaktiv. 

Über das Querwechsler-Netzwerk:

Fach- und Füh­rungs­kräf­te mit dua­len Kar­rie­ren (im öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tor) haben sich zusam­men­ge­schlos­sen, um die per­so­nel­len Res­sour­cen des öffent­li­chen Sek­tors zu stär­ken und die Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung vor­an­zu­trei­ben. Sie sind über­zeugt: Diver­se­re Teams schaf­fen maß­geb­li­chen Mehr­wert für die deut­sche Ver­wal­tung. Mehr Infos zum Querwechsler-Netzwerk

PHI­NEO Public: Das Sys­tem ist also nach außen hin nicht offen genug. Spie­len auch inter­ne Beloh­nungs­me­cha­nis­men und Aus­wahl­pro­zes­se eine Rolle? 

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Ja. Die Ver­wal­tung strebt sehr oft inter­ne Beset­zun­gen an, weil schon drei Referatsleiter*innen seit sie­ben Jah­ren auf ihre Beför­de­rung war­ten. Über­spitzt gesagt führt das dazu, dass unab­hän­gig davon, ob für die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le ein spe­zi­el­les Pro­fil benö­tigt wird, gesagt wird: Ach, das ist eine hoch­do­tier­te Stel­le, die haben das jetzt ver­dient.” Sol­che klei­nen, ope­ra­ti­ven Auto­ma­tis­men füh­ren am Ende dazu, dass die Stel­le eben nicht mit der guten Cyber Secu­ri­ty-Exper­tin besetzt wird, son­dern mit dem Refe­rats­lei­ter, der schon seit 17 Jah­ren auf die­se Stel­le wartet. 

Oft kommt auch noch ein kul­tu­rel­ler Aspekt dazu: In der Ver­wal­tung gel­ten Per­so­nen mit einem juris­ti­schen Staats­examen als die Stamm­zel­le“, also als die­je­ni­gen, die für alle Füh­rungs­auf­ga­ben geeig­net sind. Es ent­steht dann ein Gefühl von Die ver­ste­hen wir“ oder Die pas­sen zu uns, denn die agie­ren so wie wir“. Wenn von oben aber gesagt wird Hol doch mal einen Quer­wechs­ler!”, kom­men schnell Miss­gunst und Miss­trau­en auf.

Es gibt wahr­schein­lich zehn­tau­sen­de Men­schen in der Pri­vat­wirt­schaft in Deutsch­land, die […] bereit wären, für deut­lich weni­ger Geld in die Ver­wal­tung zu wechseln.”

PHI­NEO Public: Und wenn die Ver­wal­tung sich öff­nen wür­de – wäre es denn dann so ein­fach, Querwechsler*innen zu gewin­nen? Da kom­men wir jetzt ja zur Angebotsseite.

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Da beob­ach­ten wir oft etwas, das man vor­aus­schau­en­den Pes­si­mis­mus“ nen­nen könn­te. Die Ver­wal­tung geht oft davon aus, sowie­so kei­ne Expert*innen oder erfah­re­ne Manager*innen zu fin­den. Aber unse­re Erfah­run­gen zei­gen, dass das nicht stimmt. Es gibt wahr­schein­lich zehn­tau­sen­de Men­schen in der Pri­vat­wirt­schaft in Deutsch­land, die heu­te gut ver­die­nen, und mor­gen bereit wären, für deut­lich weni­ger Geld in die Ver­wal­tung zu wech­seln. Zumin­dest für ein paar Jah­re oder in einer bestimm­ten Lebens­pha­se, in der sie bewusst etwas für Staat und Gesell­schaft tun möch­ten. Wir als Quer­wechs­ler-Netz­werk träu­men von einer Pla­kat­kam­pa­gne mit der Über­schrift 1.000 Köp­fe für Deutsch­land“, mit Fotos von Men­schen, die sagen: Ich habe genau die­ses Pro­fil und brin­ge die Skills mit. Lie­be Ver­wal­tung, nehmt mich!“ Das wür­de deut­lich zei­gen: Das Ange­bot ist da, seht hin!

PHI­NEO Public: Bis­her haben wir vor allem über Füh­rungs­stel­len gespro­chen. Auch im Quer­wechs­ler-Netz­werk beschreibt ihr Quer­wech­seln­de als Men­schen, die zwi­schen Füh­rungs­po­si­tio­nen wech­seln. Was ist die Über­le­gung dahin­ter? Gel­ten die Her­aus­for­de­run­gen nicht auch unter­halb von Füh­rungs­po­si­tio­nen?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Wenn es um Ver­wal­tungs­trans­for­ma­ti­on und die Zukunfts­fä­hig­keit der Ver­wal­tung geht, braucht es ein ech­tes Umsteu­ern, und das gelingt nur top-down“ aus der Füh­rungs­ebe­ne. Das zeigt auch unse­re Erfah­rung mit Fel­low­ship-Pro­gram­men wie Work4Germany, bei denen Fach­kräf­te aus der Pri­vat­wirt­schaft zeit­wei­se in die Bun­des­ver­wal­tung wech­seln und Ver­än­de­rung unter­stüt­zen. Das ist ein Quer­wech­sel im Kleinen. 

Die­se Ansät­ze schaf­fen viel Offen­heit und Bewe­gung bot­tom-up” in den Häu­sern und sind wert­voll. Gleich­zei­tig wir­ken sie zu wenig in die Füh­rungs­ebe­nen und damit nicht aus­rei­chend top-down” auf die Agen­da der Ministerien.

PHI­NEO Public: Wel­che Anpas­sungs­be­dar­fe siehst du den­noch jen­seits von Führungskräften? 

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Die Ver­wal­tung ist auch für Querwechsler*innen auf der Sach­be­ar­bei­tungs­ebe­ne häu­fig ein schwie­ri­ger Arbeit­ge­ber. Ich habe das per­sön­lich erlebt: Es wer­den gut aus­ge­bil­de­te, inno­va­ti­ve Fach­kräf­te mit Bache­lor­ab­schluss ein­ge­stellt, die nach zwei Jah­ren fest­stel­len: Mit mei­nem Bache­lor­ab­schluss bin ich hier ja auf Jahr­tau­sen­de in der Kar­rie­re­lauf­bahn begrenzt!“ Hier braucht es mehr inter­es­san­te Kar­rie­re­per­spek­ti­ven inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on. Dafür sind auch Querwechsler*innen in den Per­so­nal­ab­tei­lun­gen wich­tig, die neue Kar­rie­re­mo­del­le inner­halb der Ver­wal­tung vorantreiben.

PHI­NEO Public: Wenn wir schon über Model­le spre­chen: Muss das Modell des Quer­wech­selns wei­ter­ge­dacht wer­den? Brau­chen wir neue Formen? 

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Ja, brau­chen wir, zum Bei­spiel rotie­ren­de Model­le. Könn­te man als Ver­wal­tung zum Bei­spiel eine Part­ner­schaft mit dem Kran­ken­haus vor Ort haben? So könn­te zum Bei­spiel eine Kran­ken­haus­ärz­tin, die kei­nen Schicht­dienst mehr leis­ten möch­te, für fünf Jah­re als Amts­ärz­tin arbei­ten. Viel­leicht brau­chen wir auch mehr inno­va­ti­ve Zwit­ter-Model­le. Dafür könn­te man sich am Modell der Nota­re ori­en­tie­ren, wo Pri­vat­men­schen bereits hoheit­li­che Auf­ga­ben für die Ver­wal­tung über­neh­men. Rechts­an­wäl­te legen eine Nota­ri­ats­prü­fung ab und arbei­ten anschlie­ßend in einer öffent­li­chen Funk­ti­on. Wie könn­te man das auf ande­re Berei­che über­tra­gen? Könn­ten Ärzt*innen auch ein Amts­arzt­zer­ti­fi­kat bekom­men und dann Ein­stel­lungs­un­ter­su­chun­gen für Beamtenanwärter*innen durch­füh­ren? Kön­nen Architekt*innen eine Zusatz­aus­bil­dung machen, um als Bauantragsbewerter*innen für die Bau­äm­ter tätig zu wer­den? Mir fie­len ein paar wei­te­re Hybrid­mo­del­le ein. Das wäre auch ein inno­va­ti­ver Querwechsel.

PHI­NEO Public: Span­nend! In der Debat­te geht es oft dar­um, was Querwechsler*innen brau­chen, um in der Ver­wal­tung lang­fris­tig wirk­sam zu wer­den. Oft wird es als Miss­erfolg inter­pre­tiert, wenn sie die Ver­wal­tung wie­der ver­las­sen. Ist das nicht ein Trug­schluss? Müss­te man nicht auch Wege fin­den, die einen Wech­sel auf Zeit ermöglichen?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Abso­lut. Ver­wal­tung, vor allem die Per­so­nal­ab­tei­lun­gen, ope­rie­ren oft für die Ewig­keit – von der Stel­len­be­set­zung bis zur Pen­sio­nie­rung. Dass es so nicht sein muss, sehen wir im Quer­wechs­ler-Netz­werk: Eini­ge waren eine Zeit lang in der Ver­wal­tung tätig, sind wie­der gegan­gen und spä­ter erneut zurückgekehrt.

Quer­wech­sel in die ope­ra­ti­ve Ver­wal­tung ist kein sel­te­nes oder nur wün­schens­wer­tes Phä­no­men, son­dern eigent­lich schon vie­ler­orts geleb­te Realität.”

PHI­NEO Public: Die Staats­mo­der­ni­sie­rung hat aktu­ell spür­bar an Momen­tum gewon­nen. Siehst du oder seht ihr als Netz­werk dar­in eine Chan­ce, die Lücke zwi­schen der For­de­rung nach mehr Querwechsler*innen und der Rea­li­tät zu schlie­ßen? Was müss­te kon­kret pas­sie­ren?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Die Chan­ce ist da! Dafür braucht es mehr unter ande­rem Trans­pa­renz. Wir glau­ben, dass es auf der kom­mu­na­len Ebe­ne viel mehr Querwechsler*innen gibt als bekannt ist. Viel­leicht weni­ger in den Schul­äm­tern, aber zum Bei­spiel in Bau­äm­tern, Kul­tur­äm­tern oder bei den Stadt­wer­ken. Wir wür­den die­se Querwechsler*innen ger­ne stär­ker sicht­bar machen, um zu zei­gen: Quer­wech­sel in die ope­ra­ti­ve Ver­wal­tung ist kein sel­te­nes oder nur wün­schens­wer­tes Phä­no­men, son­dern eigent­lich schon vie­ler­orts geleb­te Realität. 

PHI­NEO Public: Okay, also braucht es mehr Sicht­bar­keit für exis­tie­ren­de gelin­gen­de Pra­xis. Spie­len wei­te­re Fak­to­ren für euch eine Rolle?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Das zwei­te Mög­lich­keits­fens­ter ist die Pen­sio­nie­rungs­wel­le. Vie­le Behör­den wer­den so vie­le Leu­te ver­lie­ren, dass sie offen für Querwechsler*innen sein müs­sen, um geeig­ne­te Bewerber*innen zu finden.

PHI­NEO Public: Dar­an schließt sich für uns noch eine Fra­ge an: Gera­de auf kom­mu­na­ler Ebe­ne erle­ben wir vie­le Ver­wal­tun­gen, die durch Kür­zun­gen und Per­so­nal­not­sand stark belas­tet sind. Kön­nen Querwechsler*innen hier hel­fen? Oder besteht das Risi­ko, dass die Über­las­tung so groß ist, dass kaum noch Offen­heit für neue Model­le bleibt, auch wenn sie eigent­lich hel­fen wür­den?

Dr. Sebas­ti­an Musch­ter: Wir wol­len die Ver­wal­tung ermu­ti­gen, sich hel­fen zu las­sen. In Kri­sen­si­tua­tio­nen, wenn die Leu­te so über­las­tet sind, dass sie kaum noch das Tages­ge­schäft bewäl­ti­gen kön­nen, fehlt oft die Kapa­zi­tät, Hilfs­an­ge­bo­te über­haupt wahr­zu­neh­men oder zu prio­ri­sie­ren. Statt­des­sen ent­steht das Gefühl, dass der Ver­än­de­rungs­druck in der Ver­wal­tung bereits so groß ist, dass zusätz­li­che Öff­nung für Querwechsler*innen nicht mehr leist­bar ist. Dar­um müs­sen wir das Quer­wech­seln ein­fa­cher und attrak­ti­ver machen, z.B. indem wir gute Bei­spie­le sicht­bar machen, die Vor­tei­le und Chan­cen in Kam­pa­gnen her­aus­stel­len und auf Bun­des- und Lan­des­ebe­ne Wege erleich­tern, etwa durch Ände­run­gen im Beamtenrecht. 

PHI­NEO Public: Vie­len Dank für das Gespräch, lie­ber Sebastian!

Jetzt zum PHI­NEO Public News­let­ter anmelden!

Im PHI­NEO Public News­let­ter infor­mie­ren wir über alle Neu­ig­kei­ten aus dem Pro­jekt Impact Kom­mu­nen. Hier kön­nen Sie sich für den News­let­ter anmelden:

(*) Pflichtfeld

Name
Terms