Wirkt-Sie­gel Ernährung

Wir­kungs­vol­le Ansät­ze für Mensch, Tier und Umwelt gesucht

PHINEO-Redaktion,
04.09.2026

Zukunfts­fä­hi­ge Ernäh­rung ent­steht nicht durch ein­zel­ne Maß­nah­men, son­dern durch Ansät­ze, die ent­lang der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te der Ernäh­rung wir­ken. Des­halb suchen wir gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen, die Men­schen befä­hi­gen, Rah­men­be­din­gun­gen ver­än­dern und Inno­va­tio­nen voranbringen.

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War­um es das Wirkt-Sie­gel Ernäh­rung braucht

Was wir essen, wirkt weit über den eige­nen Tel­ler hin­aus: auf unse­re Gesund­heit, auf das Wohl der Tie­re und auf den Zustand von Böden, Was­ser und Kli­ma. Das Bewusst­sein dafür wächst. Bereits 84 Pro­zent der Men­schen in Deutsch­land geben an, sich häu­fig oder gele­gent­lich bewusst mit ihrer Ernäh­rung auseinanderzusetzen.

Trotz­dem bleibt die Kluft zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit groß: Ein erheb­li­cher Teil der Krank­heits­last in Deutsch­land ist mit unse­rer Ernäh­rung ver­bun­den, und unser Ernäh­rungs­sys­tem ver­ur­sacht knapp 30 Pro­zent der glo­ba­len Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Ein­zel­ne Kon­sum­entschei­dun­gen allein kön­nen das nicht auf­fan­gen. Denn die Ursa­chen lie­gen im Sys­tem selbst- in der Art und Wei­se, wie Lebens­mit­tel pro­du­ziert, ver­ar­bei­tet, gehan­delt und außer Haus ver­pflegt werden.

Das Wirkt-Sie­gel Ernäh­rung macht Orga­ni­sa­tio­nen sicht­bar, die genau dort anset­zen. Im Mit­tel­punkt steht dabei nicht die Fra­ge, was ein­zel­ne Men­schen essen soll­ten, son­dern wel­che Ansät­ze wirk­sam dazu bei­tra­gen, die struk­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen unse­res Ernäh­rungs­sys­tems zu lösen.

Unse­re Hal­tung: Es braucht ver­netz­te Lösungs­an­sät­ze ent­lang der Wertschöpfungskette

Über Ernäh­rung wird oft in Gegen­sät­zen dis­ku­tiert: Fleisch oder pflanz­lich, regio­nal oder glo­bal, Bio oder kon­ven­tio­nell. Aus unse­rer Sicht greift die­se Debat­te zu kurz.

Das Wirkt-Sie­gel Ernäh­rung zeich­net weder Ernäh­rungs­sti­le noch ein­zel­ne Lebens­mit­tel aus. Statt­des­sen rich­tet es den Blick auf Orga­ni­sa­tio­nen, die wirk­sa­me Bei­trä­ge zur Bewäl­ti­gung der struk­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen unse­res Ernäh­rungs­sys­tems leis­ten – an unter­schied­li­chen Stel­len der Wert­schöp­fungs­ket­te und mit unter­schied­li­chen Ansät­zen. Denn die Pro­ble­me unse­res Ernäh­rungs­sys­tems las­sen sich weder durch indi­vi­du­el­le Kon­sum­entschei­dun­gen noch allein durch poli­ti­sche Vor­ga­ben oder tech­ni­sche Inno­va­tio­nen lösen. Ent­schei­dend ist das Zusam­men­spiel von Staat, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft. Erst dann kann Wir­kung entstehen. 

Was muss sich ändern?

Wir suchen Orga­ni­sa­tio­nen, die dort anset­zen, wo unser Ernäh­rungs­sys­tem tat­säch­lich geprägt wird: ent­lang der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te, vom Acker bis auf den Tel­ler. Dabei reicht es nicht aus, allein auf Nach­hal­tig­keit, pflan­zen­ba­sier­te Lebens­mit­tel oder regio­na­le Pro­duk­te zu set­zen. Viel­mehr braucht es ver­schie­de­ne Hebel, die inein­an­der­grei­fen. Denn die Zie­le Gesund­heit, Tier­wohl und Umwelt­schutz ste­hen nicht auto­ma­tisch im Ein­klang. Die fol­gen­den drei Bei­spie­le ver­deut­li­chen die­ses Spannungsfeld.

Gesund­heit: Krank­heits­last senken

Ernäh­rungs­mit­be­ding­te Erkran­kun­gen wie Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen, Typ-2-Dia­be­tes und bestimm­te Krebs­ar­ten zäh­len zu den häu­figs­ten und kos­ten­in­ten­sivs­ten Volks­krank­hei­ten in Deutsch­land. Im Jahr 2017 gal­ten 52,7 Pro­zent der Erwach­se­nen als über­ge­wich­tig, 16,3 Pro­zent als adi­pös. Die direk­ten und indi­rek­ten volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten von Adi­po­si­tas wer­den auf rund 63 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich geschätzt. Gleich­zei­tig zei­gen Meta­ana­ly­sen, dass eine gesund­heits­för­der­li­che Ernäh­rung das rela­ti­ve Risi­ko für Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen, Krebs und Typ-2-Dia­be­tes um 15 bis 22 Pro­zent sen­ken kann. 

Genau hier set­zen Orga­ni­sa­tio­nen an, die Ernäh­rungs­bil­dung stär­ken, Prä­ven­ti­on för­dern und den Zugang zu gesun­der Ernäh­rung ver­bes­sern – ins­be­son­de­re dort, wo sozia­le und wirt­schaft­li­che Fak­to­ren die­sen Zugang erschweren.

Tier­wohl: Hal­tungs­be­din­gun­gen verbessern

Auch beim Tier­wohl besteht erheb­li­cher Hand­lungs­be­darf: Rund 15 Pro­zent der Milch­kü­he in Deutsch­land wer­den ganz­jäh­rig in Anbin­de­hal­tung gehal­ten und haben so kaum Bewe­gungs­frei­heit. Ein hoher Anteil der Mast­schwei­ne steht auf voll­per­fo­rier­ten Spal­ten­bö­den ohne Ein­streu. Frei­wil­li­ge Kenn­zeich­nun­gen für beson­ders tier­ge­recht erzeug­te Ware haben dar­an bis­lang wenig geän­dert: Nur rund 1 Pro­zent des Fleisch­um­sat­zes in Deutsch­land ent­fällt auf ent­spre­chend gekenn­zeich­ne­te Pro­duk­te. 

Orga­ni­sa­tio­nen, die sich für ver­bind­li­che­re Stan­dards, bes­se­re Hal­tungs­be­din­gun­gen oder eine wirk­sa­me­re Kenn­zeich­nung ein­set­zen, tra­gen dazu bei, eine zen­tra­le Her­aus­for­de­rung des Ernäh­rungs­sys­tems anzugehen.

Umwelt­schutz: dif­fe­ren­ziert statt pau­schal bewerten 

Ein Bei­spiel zeigt, wie wich­tig eine dif­fe­ren­zier­te, evi­denz­ba­sier­te Per­spek­ti­ve ist: Fleisch, Milch und Eier aus öko­lo­gi­scher Land­wirt­schaft schnei­den beim Kli­ma­ef­fekt nicht auto­ma­tisch bes­ser ab als Pro­duk­te aus kon­ven­tio­nel­ler Erzeu­gung. Teil­wei­se ist sogar das Gegen­teil der Fall. So liegt der CO2-Fuß­ab­druck von Bio-Rind­fleisch nach Berech­nun­gen des ifeu-Insti­tuts im Durch­schnitt etwas höher als der von kon­ven­tio­nel­lem Rind­fleisch. Ein Grund dafür ist, dass die öko­lo­gi­sche Tier­hal­tung meist mehr Flä­che pro Kilo­gramm Fleisch benö­tigt. Was dem Tier­wohl dient, ist damit nicht auto­ma­tisch auch die kli­ma­freund­lichs­te Lösung. Gleich­zei­tig ver­ur­sacht die Tier­hal­tung mehr als drei Vier­tel des land­wirt­schaft­li­chen Stick­stoff­über­schus­ses in Deutsch­land – eine zen­tra­le Ursa­che für Nitrat­be­las­tun­gen im Grund­was­ser. 

Wirk­sa­me Ansät­ze müs­sen sol­che Ziel­kon­flik­te berück­sich­ti­gen und Zusam­men­hän­ge dif­fe­ren­ziert betrach­ten, statt sich allein an Labels oder Kri­te­ri­en zu orientieren. 

Die Mit­te der Wert­schöp­fungs­ket­te stär­ker in den Blick nehmen

Bis­lang lag das Haupt­au­gen­merk vor allem auf dem Anfang und dem Ende der Wert­schöp­fungs­ket­te, also auf Land­wirt­schaft und Verbraucher*innen. Doch in der Mit­te – im Han­del und in der Gemein­schafts­ver­pfle­gung – wird fak­tisch fest­ge­legt, was ver­füg­bar und selbst­ver­ständ­lich ist. So ent­fal­len inzwi­schen mehr als 85 Pro­zent des Lebens­mit­tel­um­sat­zes in Deutsch­land auf vier Han­dels­grup­pen. Gleich­zei­tig wer­den in Kan­ti­nen, Kran­ken­häu­sern und Kitas täg­lich Mil­lio­nen Mahl­zei­ten aus­ge­ge­ben. Wer hier ansetzt, ver­än­dert nicht nur ein­zel­ne Kauf­ent­schei­dun­gen, son­dern die Rah­men­be­din­gun­gen, unter denen vie­le Men­schen Tag für Tag essen.

Zivil­ge­sell­schaft wirkt

Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen sind kein Anhäng­sel des Ernäh­rungs­sys­tems, son­dern ein eigen­stän­di­ger, not­wen­di­ger Akteur neben Staat, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft. Der Wis­sen­schaft­li­che Bei­rat für Agrar­po­li­tik, Ernäh­rung und gesund­heit­li­chen Ver­brau­cher­schutz (WBAE) beschreibt Umwelt- und Ver­brau­cher­ver­bän­de aus­drück­lich als wich­ti­ges Gegen­ge­wicht zu den Inter­es­sen­ver­bän­den der Wirt­schaft in der Ernäh­rungs­po­li­tik. Ihr Ein­fluss zeigt sich vor allem dort, wo The­men öffent­lich Gehör fin­den, etwa in der Dis­kus­si­on über die Grü­ne Gen­tech­nik.

Wie wir­kungs­voll zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment sein kann, zei­gen zahl­rei­che Bei­spie­le aus der Pra­xis: Der NABU hat mit Unter­stüt­zung sei­ner Mit­glie­der und För­dern­den eine App ent­wi­ckelt, mit der Verbraucher*innen die öko­lo­gi­sche Aus­sa­ge­kraft von Lebens­mit­tel­sie­geln prü­fen kön­nen. Die Ver­brau­cher­zen­tra­len und food­watch betrei­ben mit dem Por­tal lebens​mit​tel​klar​heit​.de eine zen­tra­le Anlauf­stel­le für Trans­pa­renz bei Lebens­mit­tel­kenn­zeich­nung und Wer­bung. Und die Deut­sche Gesell­schaft für Ernäh­rung hat ihre Emp­feh­lun­gen 2024 erst­mals aus­drück­lich um Nach­hal­tig­keits­aspek­te erwei­tert – mit­ge­tra­gen von einem wach­sen­den Netz­werk zivil­ge­sell­schaft­li­cher Fachorganisationen.

Unse­re Botschaft

Das Wirkt-Sie­gel Ernäh­rung macht nicht nur das Wir­kungs­po­ten­zi­al ein­zel­ner Orga­ni­sa­tio­nen für För­dern­de sicht­bar. Es zeigt auch, wel­chen wich­ti­gen Bei­trag die Zivil­ge­sell­schaft für ein zukunfts­fä­hi­ges Ernäh­rungs­sys­tem leis­tet und wel­che Rol­le sie im Zusam­men­spiel mit Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft innehat.

Wen wir suchen

Wir suchen gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen, die ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te – von der Erzeu­gung über Ver­ar­bei­tung und Han­del bis hin zu Kon­sum und Gemein­schafts­ver­pfle­gung – zur struk­tu­rel­len Ver­bes­se­rung des Ernäh­rungs­sys­tems bei­tra­gen. Ziel ist eine Ernäh­rung, die die Gesund­heit der Men­schen för­dert, das Wohl der Tie­re stärkt und Bio­di­ver­si­tät, Was­ser und Kli­ma schützt. Das Wirkt-Sie­gel Ernäh­rung macht sol­che Ansät­ze sicht­bar und unter­stützt För­dern­de und Partner*innen dabei, dort zu inves­tie­ren, wo ihr Bei­trag tat­säch­lich etwas verändert.

Unser Fokus liegt dabei auf drei Bereichen:

  1. Men­schen befä­hi­gen: Ansät­ze, die Wis­sen und Hand­lungs­kom­pe­tenz rund um gutes Essen stär­ken, etwa durch Ernäh­rungs­bil­dung, prak­ti­sche Lern­erfah­run­gen oder die Qua­li­fi­zie­rung von Fachkräften.
  2. Rah­men­be­din­gun­gen ver­än­dern: Ansät­ze, die Akteu­re zusam­men­brin­gen und die Bedin­gun­gen ver­bes­sern, unter denen Men­schen sich ernäh­ren, bei­spiels­wei­se durch Dia­log­for­ma­te, kom­mu­na­le Pro­zes­se oder einen fai­re­ren Zugang zu guter Ernährung.
  3. Inno­va­ti­on vor­an­brin­gen: Ansät­ze, die neue Lösun­gen ent­wi­ckeln und erpro­ben. Dazu zäh­len unter ande­rem neue Wert­schöp­fungs­ket­ten, Kreis­lauf­kon­zep­te oder Ange­bo­te, die nach­hal­ti­ge Ent­schei­dun­gen im All­tag leich­ter machen.

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Es gibt drei Bewerbungsphasen

Das Wirkt-Sie­gel wird durch exter­ne Partner*innen finan­zi­ell geför­dert. Mit den der­zeit ver­füg­ba­ren För­der­mit­teln kön­nen rund 50 Ana­ly­sen ermög­licht wer­den. Daher lohnt es sich, sich früh­zei­tig für eine Ana­ly­se zu bewer­ben. Die Ver­ga­be erfolgt in einem rol­lie­ren­den Bewer­bungs- und Ana­ly­se­ver­fah­ren. So kön­nen wir unse­re inter­nen Res­sour­cen opti­mal ver­tei­len und über den gesam­ten För­der­zeit­raum hin­weg fort­lau­fend Orga­ni­sa­tio­nen ana­ly­sie­ren – auch wäh­rend lau­fen­der Bewerbungsphasen. 

Die Bewer­bungs­pha­sen:  

  • 1. Pha­se: 08. Sep­tem­ber bis 16. Okto­ber 2026
  • 2. Pha­se: 17. Okto­ber bis 27. Novem­ber 2026
  • 3. Pha­se: 28. Novem­ber 2026 bis 31. Janu­ar 2027

Sie kön­nen selbst ent­schei­den, für wel­che Pha­se Sie sich bewer­ben möch­ten. Da die Zahl der geför­der­ten Ana­ly­sen begrenzt ist, kön­nen wir jedoch nicht garan­tie­ren, dass in der drit­ten Pha­se noch Ana­ly­se­plät­ze ver­füg­bar sind. Das hängt von der Anzahl der Bewer­bun­gen aus den vor­he­ri­gen Pha­sen ab. 

Sie haben Fragen?

Dann schrei­ben Sie uns an franka.​ismer@​phineo.​org oder mel­den Sie sich hier für einen unse­rer FAQ Online-Ter­mi­ne an: 

Ter­min 1: 24.09.2026, 12 Uhr 
Ter­min 2: 23.10.2026, 12 Uhr 
Ter­min 3: 23.11.2026, 12 Uhr 

Wenn Sie Fragen haben:

Franka Ismer

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