Wirkt-Siegel Ernährung
Wirkungsvolle Ansätze für Mensch, Tier und Umwelt gesucht
Zukunftsfähige Ernährung entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch Ansätze, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Ernährung wirken. Deshalb suchen wir gemeinnützige Organisationen, die Menschen befähigen, Rahmenbedingungen verändern und Innovationen voranbringen.
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Warum es das Wirkt-Siegel Ernährung braucht
Was wir essen, wirkt weit über den eigenen Teller hinaus: auf unsere Gesundheit, auf das Wohl der Tiere und auf den Zustand von Böden, Wasser und Klima. Das Bewusstsein dafür wächst. Bereits 84 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, sich häufig oder gelegentlich bewusst mit ihrer Ernährung auseinanderzusetzen.
Trotzdem bleibt die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit groß: Ein erheblicher Teil der Krankheitslast in Deutschland ist mit unserer Ernährung verbunden, und unser Ernährungssystem verursacht knapp 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Einzelne Konsumentscheidungen allein können das nicht auffangen. Denn die Ursachen liegen im System selbst- in der Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verarbeitet, gehandelt und außer Haus verpflegt werden.
Das Wirkt-Siegel Ernährung macht Organisationen sichtbar, die genau dort ansetzen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, was einzelne Menschen essen sollten, sondern welche Ansätze wirksam dazu beitragen, die strukturellen Herausforderungen unseres Ernährungssystems zu lösen.
Unsere Haltung: Es braucht vernetzte Lösungsansätze entlang der Wertschöpfungskette
Über Ernährung wird oft in Gegensätzen diskutiert: Fleisch oder pflanzlich, regional oder global, Bio oder konventionell. Aus unserer Sicht greift diese Debatte zu kurz.
Das Wirkt-Siegel Ernährung zeichnet weder Ernährungsstile noch einzelne Lebensmittel aus. Stattdessen richtet es den Blick auf Organisationen, die wirksame Beiträge zur Bewältigung der strukturellen Herausforderungen unseres Ernährungssystems leisten – an unterschiedlichen Stellen der Wertschöpfungskette und mit unterschiedlichen Ansätzen. Denn die Probleme unseres Ernährungssystems lassen sich weder durch individuelle Konsumentscheidungen noch allein durch politische Vorgaben oder technische Innovationen lösen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Erst dann kann Wirkung entstehen.
Was muss sich ändern?
Wir suchen Organisationen, die dort ansetzen, wo unser Ernährungssystem tatsächlich geprägt wird: entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Acker bis auf den Teller. Dabei reicht es nicht aus, allein auf Nachhaltigkeit, pflanzenbasierte Lebensmittel oder regionale Produkte zu setzen. Vielmehr braucht es verschiedene Hebel, die ineinandergreifen. Denn die Ziele Gesundheit, Tierwohl und Umweltschutz stehen nicht automatisch im Einklang. Die folgenden drei Beispiele verdeutlichen dieses Spannungsfeld.
Gesundheit: Krankheitslast senken
Ernährungsmitbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten zählen zu den häufigsten und kostenintensivsten Volkskrankheiten in Deutschland. Im Jahr 2017 galten 52,7 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig, 16,3 Prozent als adipös. Die direkten und indirekten volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas werden auf rund 63 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Gleichzeitig zeigen Metaanalysen, dass eine gesundheitsförderliche Ernährung das relative Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Typ-2-Diabetes um 15 bis 22 Prozent senken kann.
Genau hier setzen Organisationen an, die Ernährungsbildung stärken, Prävention fördern und den Zugang zu gesunder Ernährung verbessern – insbesondere dort, wo soziale und wirtschaftliche Faktoren diesen Zugang erschweren.
Tierwohl: Haltungsbedingungen verbessern
Auch beim Tierwohl besteht erheblicher Handlungsbedarf: Rund 15 Prozent der Milchkühe in Deutschland werden ganzjährig in Anbindehaltung gehalten und haben so kaum Bewegungsfreiheit. Ein hoher Anteil der Mastschweine steht auf vollperforierten Spaltenböden ohne Einstreu. Freiwillige Kennzeichnungen für besonders tiergerecht erzeugte Ware haben daran bislang wenig geändert: Nur rund 1 Prozent des Fleischumsatzes in Deutschland entfällt auf entsprechend gekennzeichnete Produkte.
Organisationen, die sich für verbindlichere Standards, bessere Haltungsbedingungen oder eine wirksamere Kennzeichnung einsetzen, tragen dazu bei, eine zentrale Herausforderung des Ernährungssystems anzugehen.
Umweltschutz: differenziert statt pauschal bewerten
Ein Beispiel zeigt, wie wichtig eine differenzierte, evidenzbasierte Perspektive ist: Fleisch, Milch und Eier aus ökologischer Landwirtschaft schneiden beim Klimaeffekt nicht automatisch besser ab als Produkte aus konventioneller Erzeugung. Teilweise ist sogar das Gegenteil der Fall. So liegt der CO2-Fußabdruck von Bio-Rindfleisch nach Berechnungen des ifeu-Instituts im Durchschnitt etwas höher als der von konventionellem Rindfleisch. Ein Grund dafür ist, dass die ökologische Tierhaltung meist mehr Fläche pro Kilogramm Fleisch benötigt. Was dem Tierwohl dient, ist damit nicht automatisch auch die klimafreundlichste Lösung. Gleichzeitig verursacht die Tierhaltung mehr als drei Viertel des landwirtschaftlichen Stickstoffüberschusses in Deutschland – eine zentrale Ursache für Nitratbelastungen im Grundwasser.
Wirksame Ansätze müssen solche Zielkonflikte berücksichtigen und Zusammenhänge differenziert betrachten, statt sich allein an Labels oder Kriterien zu orientieren.
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Die Mitte der Wertschöpfungskette stärker in den Blick nehmen
Bislang lag das Hauptaugenmerk vor allem auf dem Anfang und dem Ende der Wertschöpfungskette, also auf Landwirtschaft und Verbraucher*innen. Doch in der Mitte – im Handel und in der Gemeinschaftsverpflegung – wird faktisch festgelegt, was verfügbar und selbstverständlich ist. So entfallen inzwischen mehr als 85 Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland auf vier Handelsgruppen. Gleichzeitig werden in Kantinen, Krankenhäusern und Kitas täglich Millionen Mahlzeiten ausgegeben. Wer hier ansetzt, verändert nicht nur einzelne Kaufentscheidungen, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen viele Menschen Tag für Tag essen.
Zivilgesellschaft wirkt
Zivilgesellschaftliche Organisationen sind kein Anhängsel des Ernährungssystems, sondern ein eigenständiger, notwendiger Akteur neben Staat, Wirtschaft und Wissenschaft. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beschreibt Umwelt- und Verbraucherverbände ausdrücklich als wichtiges Gegengewicht zu den Interessenverbänden der Wirtschaft in der Ernährungspolitik. Ihr Einfluss zeigt sich vor allem dort, wo Themen öffentlich Gehör finden, etwa in der Diskussion über die Grüne Gentechnik.
Wie wirkungsvoll zivilgesellschaftliches Engagement sein kann, zeigen zahlreiche Beispiele aus der Praxis: Der NABU hat mit Unterstützung seiner Mitglieder und Fördernden eine App entwickelt, mit der Verbraucher*innen die ökologische Aussagekraft von Lebensmittelsiegeln prüfen können. Die Verbraucherzentralen und foodwatch betreiben mit dem Portal lebensmittelklarheit.de eine zentrale Anlaufstelle für Transparenz bei Lebensmittelkennzeichnung und Werbung. Und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen 2024 erstmals ausdrücklich um Nachhaltigkeitsaspekte erweitert – mitgetragen von einem wachsenden Netzwerk zivilgesellschaftlicher Fachorganisationen.
Unsere Botschaft
Das Wirkt-Siegel Ernährung macht nicht nur das Wirkungspotenzial einzelner Organisationen für Fördernde sichtbar. Es zeigt auch, welchen wichtigen Beitrag die Zivilgesellschaft für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem leistet und welche Rolle sie im Zusammenspiel mit Politik, Wirtschaft und Wissenschaft innehat.
Wen wir suchen
Wir suchen gemeinnützige Organisationen, die entlang der Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Verarbeitung und Handel bis hin zu Konsum und Gemeinschaftsverpflegung – zur strukturellen Verbesserung des Ernährungssystems beitragen. Ziel ist eine Ernährung, die die Gesundheit der Menschen fördert, das Wohl der Tiere stärkt und Biodiversität, Wasser und Klima schützt. Das Wirkt-Siegel Ernährung macht solche Ansätze sichtbar und unterstützt Fördernde und Partner*innen dabei, dort zu investieren, wo ihr Beitrag tatsächlich etwas verändert.
Unser Fokus liegt dabei auf drei Bereichen:
- Menschen befähigen: Ansätze, die Wissen und Handlungskompetenz rund um gutes Essen stärken, etwa durch Ernährungsbildung, praktische Lernerfahrungen oder die Qualifizierung von Fachkräften.
- Rahmenbedingungen verändern: Ansätze, die Akteure zusammenbringen und die Bedingungen verbessern, unter denen Menschen sich ernähren, beispielsweise durch Dialogformate, kommunale Prozesse oder einen faireren Zugang zu guter Ernährung.
- Innovation voranbringen: Ansätze, die neue Lösungen entwickeln und erproben. Dazu zählen unter anderem neue Wertschöpfungsketten, Kreislaufkonzepte oder Angebote, die nachhaltige Entscheidungen im Alltag leichter machen.
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Es gibt drei Bewerbungsphasen
Das Wirkt-Siegel wird durch externe Partner*innen finanziell gefördert. Mit den derzeit verfügbaren Fördermitteln können rund 50 Analysen ermöglicht werden. Daher lohnt es sich, sich frühzeitig für eine Analyse zu bewerben. Die Vergabe erfolgt in einem rollierenden Bewerbungs- und Analyseverfahren. So können wir unsere internen Ressourcen optimal verteilen und über den gesamten Förderzeitraum hinweg fortlaufend Organisationen analysieren – auch während laufender Bewerbungsphasen.
Die Bewerbungsphasen:
- 1. Phase: 08. September bis 16. Oktober 2026
- 2. Phase: 17. Oktober bis 27. November 2026
- 3. Phase: 28. November 2026 bis 31. Januar 2027
Sie können selbst entscheiden, für welche Phase Sie sich bewerben möchten. Da die Zahl der geförderten Analysen begrenzt ist, können wir jedoch nicht garantieren, dass in der dritten Phase noch Analyseplätze verfügbar sind. Das hängt von der Anzahl der Bewerbungen aus den vorherigen Phasen ab.
Sie haben Fragen?
Dann schreiben Sie uns an franka.ismer@phineo.org oder melden Sie sich hier für einen unserer FAQ Online-Termine an:
→ Termin 1: 24.09.2026, 12 Uhr
→ Termin 2: 23.10.2026, 12 Uhr
→ Termin 3: 23.11.2026, 12 Uhr
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