Pro­jekt mit Spiegel-Online

10 Jahre PHI­NEO: Wirkungstrans­parenz bei Spendenorganisationen

Ich spende gern, aber kommt mein Geld wirk­lich bei Men­schen in Not an?” Das fra­gen sich viele, die mit ihrem Geld nicht nur Gutes tun, son­dern auch Gutes bewirken wollen. Zu spenden oder Spenden zu erhal­ten heißt nicht automa­tisch, dass das Geld auch etwas für die Gesellschaft bewirkt. Denn was im Leben gilt, trifft lei­der auch auf Spenden zu: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. 

Um der Spur des Geldes und sein­er Wirkung auf den Grund zu gehen, beschäftigt sich PHI­NEO im Jahr 2012 mit ein­er Studie über Wirkungstrans­parenz bei Spende­nor­gan­i­sa­tio­nen“, erst­mals in Medi­en­part­ner­schaft mit dem Wirtschafts­magazin Cap­i­tal. Später weiß das Team: Es ist nicht das let­zte Mal, dass PHI­NEO die 50 größten in Deutsch­land täti­gen gemein­nützi­gen Organ­i­sa­tio­nen auf ihre Wirkungstrans­parenz unter­suchen wird. 2014 und 2016 wird der Medi­en­part­ner dann SPIEGEL ONLINE heißen und groß über die Studie bericht­en. Für PHI­NEO geht das nicht nur mit bre­it­er medi­aler Wahrnehmung ein­her, es heißt auch, dass das Engage­ment von PHI­NEO wirkt. Aber der Rei­he nach.

Wirkung – das Kern­the­ma von PHINEO

Im Ver­gle­ich zu pri­vatwirtschaftlichen Unternehmen gibt es im gemein­nützi­gen Bere­ich keine ein­heitlichen Erfol­gskri­te­rien oder Wirkungsindika­toren. Was also bedeutet Wirkung bei einem sozialen Pro­jekt? Ein Beispiel: Will ein gemein­nütziger Vere­in Arbeit­slosen mit qual­i­fizieren­den Schu­lun­gen wieder zu ein­er Beschäf­ti­gung ver­helfen, beste­ht seine Leis­tung („Out­put“) aus den Schulungen. 

Legt man der Wirkungs­analyse jedoch nur die einge­set­zten Ressourcen („Input“) und die Out­puts zugrunde, sagt dies noch nichts über die tat­säch­liche Wirkung aus. Denn eine hohe Teil­nehmerzahl und per­sön­liche Zufrieden­heit mit der Maß­nahme sind kein Garant dafür, dass die Arbeit­slosen im Rah­men der Schu­lung die für den Arbeits­markt rel­e­van­ten Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en erwer­ben – und dass das Pro­jekt so zum eigentlichen Ziel, dem Wiedere­in­stieg in den Beruf, beiträgt. 

Die eigentliche Wirkung des Pro­jek­ts zeigt sich darin, dass die Schu­lung­steil­nehmer Kom­pe­ten­zen erwer­ben und Selb­stver­trauen auf­bauen. Erst diese Verän­derung bei der Ziel­gruppe („Out­come“) ermöglicht den Wiedere­in­tritt in den Beruf. Und das bewirkt schließlich eine Verän­derung auf gesellschaftlich­er Ebene („Impact“) in Form eines Rück­gangs der Arbeitslosigkeit.

Wirkungstrans­parenz in gemein­nützi­gen Organ­i­sa­tio­nen bedeutet, dass sie öffentlich über ihre Ziele, Aktiv­itäten und ihre Wirkung bericht­en. Im Wesentlichen geht es um die Fra­gen: Was möchte die NPO erre­ichen? – Welche Aktiv­itäten führt sie durch? – Welche Wirkung erzielt sie? – Woher weiß sie, welche Wirkung sie erzielt?

Wirkungstrans­parenz ist nicht nur im Sinne der inter­essierten Öffentlichkeit, es bringt auch den Organ­i­sa­tio­nen selb­st Vorteile. Durch Berichter­stat­tung über ihre Wirkung kön­nen sie Vertrauen schaf­fen und Spendende überzeu­gen. Wirkungstrans­parenz schafft also Ver­trauen. Wie aber sieht es denn nun mit dieser Wirkungstrans­parenz bei großen Spende­nor­gan­i­sa­tio­nen aus? 

Die Wirkung der Transparenzstudie.

Ähn­lich ein­er ersten kleineren Studie unter­sucht das mehrköp­fige PHI­NEO-Team im August und Sep­tem­ber 2012 50 große Spenden-Organ­i­sa­tio­nen, die jährlich rund 1,7 Mil­liar­den Euro an pri­vat­en Spenden erhiel­ten. Recher­chiert wurde in Geschäfts­bericht­en, Bilanzen, Organ­i­gram­men und den Web­sites, auch verdeck­te Tests liefer­ten Erkenntnisse. 

Plan Inter­na­tion­al Spitzen­re­it­er bei Offen­le­gung von Zahlen und Infor­ma­tio­nen über Hil­f­spro­jek­te, Unicef und World Vision auf Platz 2 und 3 / Stiftun­gen von Bild und RTL lassen Fra­gen offen – so titelt Cap­i­tal dann seinen Spenden-Kom­pass“ im Dezem­ber 2012″ Genauer hingeschaut: 50 Prozent der gemein­nützi­gen Organ­i­sa­tio­nen informieren ins­ge­samt gut beziehungsweise sehr gut über ihre Arbeit und sind an dieser Stelle sehr trans­par­ent. Ein großes Defiz­it zeigt sich jedoch in Bezug auf ver­füg­bare Infor­ma­tio­nen über Ziele und die erzielte Wirkung. 

Mit­tel­fristig aber zeigt die Studie Wirkung. Viele Organ­i­sa­tio­nen trat­en hin­ter­her mit uns in Kon­takt. Dabei inter­essierten sie sich nicht nur dafür, wie ihre jew­eilige Bew­er­tung zus­tande kam. Vielmehr wollen die meis­ten ihre Wirkungstrans­parenz verbessern und bat­en uns um Tipps und Anre­gun­gen“, sagt Andreas Rick­ert. Für uns ein ein­deutiges Zeichen dafür, dass Wirkung­sori­en­tierung raus aus der Nis­che und rein in den Pro­jek­tall­t­ag von immer mehr gemein­nützi­gen Organ­i­sa­tio­nen kommt.

Ein echter Wirkungsindika­tor: 77% der Organ­i­sa­tio­nen, die 2012 befragt wur­den gaben an, dass die Bedeu­tung von Wirkungstrans­parenz in der Organ­i­sa­tion in Folge der Studie zugenom­men hat. 

Im Rah­men dieser außergewöhn­lich inten­siv­en Studie wur­den bis­lang über 2.400 ehe­ma­lige SOS-Kinder befragt. Wir danken PHI­NEO für ihre Unter­suchung und die detail­lierten Infor­ma­tio­nen. Für uns sind solche Analy­sen sehr wichtig im Rah­men der regelmäßi­gen Selb­stkon­trolle und bei der steten Opti­mierung unser­er Kom­mu­nika­tion mit dem Spender.“

(Ulla Sens­burg, Vor­stand SOS-Kinderdör­fer weltweit)

Vier Jahre und zwei Trans­paren­zs­tu­di­en weit­er lautet das Faz­it dann auch: Trans­parenz wird offen­bar eine zunehmend größere Bedeu­tung zugemessen“ (SPIEGEL ONLINE, 30.11.2016). Große Spende­nor­gan­i­sa­tio­nen bericht­en ins­ge­samt trans­par­enter über ihre über­ge­ord­nete Ziel­stel­lung, Aktiv­itäten und Wirkun­gen, mehr als die Hälfte sog­ar sehr gut oder her­aus­ra­gend. Beson­ders auf­fäl­lig: Mehr Organ­i­sa­tio­nen informieren sys­tem­a­tisch über die erre­icht­en Verän­derun­gen bei ihren Ziel­grup­pen und auf gesellschaftlich­er Ebene. Und sie liefern Wirkungs­belege. Die Trans­paren­zs­tudie zeigt Wirkung.