Herbstforum 2020: Zur zukunftsfähigen Kommune durch integriertes Planen

Kommunen stehen vor großen Herausforderungen, nicht nur in Zeiten von Corona. Eine integrierte Jugendhilfeplanung würde nicht nur bei Problemlösungen helfen, sondern bereits in der Prävention. Doch wie kann das gelingen? Welche Barrieren auf struktureller und organisatorischer Ebene oder hinsichtlich eines Rollenverständnisses gibt es, und wie können kommunale Akteure diese abbauen?

Dazu tauschten sich Mitarbeitende der Jugendhilfeplanung, Abteilungs- und Sachgebietsleitende der Partnerkommunen sowie Akteure weiterer Organisationen der Initiative Kommune 360° auf dem diesjährigen Herbstforum untereinander und mit Expert*innen aus.

Im Austausch mit anderen erhielten die Kommunen Antworten auf folgende Fragen: Wie ist die Situation der jeweiligen Kommune? Welche Besonderheiten gibt es? Wie sieht die bisherige Zusammenarbeit in der Verwaltung aus? Was konkret sind derzeitige Barrieren? Welche Themen sind dringlich? Und wie sehen praktikable Lösungen aus?

Impulse aus der Wissenschaft

Der Input von Prof. Dr. Holger Wunderlich, Sozialwissenschaftler und Professor der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften vertiefte die fachliche Diskussion. Er gab einen Einblick in die Chancen integrierter, strategischer Sozialplanung für Kinder und ihre Familien. Dabei griff er auch die Frage auf, wie sich die Rolle der Jugendhilfeplanung entwickelt hat und welchen systemischen Hindernissen und Dilemmata Planer*innen in der Praxis begegnen.

Eine große Rolle spielte in dem Beitrag das Thema Vertrauen: "Ohne Vertrauen bekommen Sie keine Kooperationen zustande", erklärte Wunderlich. "Ohne Vertrauen bekommen Sie keinen Bürger in irgendeinen Beteiligungsprozess. Vertrauen ist ein sehr zentraler Begriff, dem wir uns in der Sozialplanung noch stärker widmen müssen."

Prof. Dr. Holger Wunderlich

"Vertrauen ist ein sehr zentraler Begriff, dem wir uns in der Sozialplanung noch stärker widmen."

3 Tipps, die in diesem Zusammenhang bereits helfen können:

  • Probieren Sie eine bedarfsgerechte Aktivierung von Gremien.
  • Bauen Sie Vertrauen auf. Fragen Sie andere nach ihrer Perspektive und bieten Sie Ihre Perspektive an.
    Klein anfangen – Verbündete suchen.
  • Bleiben Sie beharrlich in der Überzeugungsarbeit. Nur weil man sich einer integrativen Planung immer nur annähern kann und es selten gelingt, alle Bedingungen herzustellen, heißt das nicht, dass die Idee falsch ist.

Ein weiterer Impulsgeber war Robert Römer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule in Erfurt und Mitgründer von SOFOKLES. Er berät kommunale Akteure aus dem Bildungs- und Sozialbereich zu Themen der Netzwerkarbeit und (Sozial-)Planung. Römers Beitrag diskutierte, ausgehend von Funktionen und Paradigmen von sozialen Systemen, Möglichkeiten und Begrenzungen von subjektiver Wahrnehmung und Kommunikation, mögliche Dilemmata und Spannungsfelder integrierter Planung in der Verwaltung.

"Wenn wir wissen, wie wichtig es für Systeme ist, Komplexität zu reduzieren, dann braucht es vielleicht nicht den Anspruch integrativen Denkens und Arbeitens an alle Akteure in allen Ressorts beziehungsweise Sektoren", so Römer. "Dann braucht es vielleicht einen integrativen Blick eher einzelner Personen, die diese Rolle einnehmen."

Robert Römer

"Vielleicht braucht es einen integrativen Blick eher einzelner Personen, die diese Rolle einnehmen."

Raum für Ideen

In vertiefenden Gesprächen mit den beiden Wissenschaftlern konnten sich die Mitglieder*innen der Initiative Kommune 360° zu zentralen Fragen, Potenzialen und Stolpersteinen der kommunalen integrierten Planung austauschen. Die Berichte, Lösungsansätze und Fragen aus den Prozessen in den Partnerkommunen machten diese Diskussionen konkret und lebendig.

Mit Formaten des gemeinsamen Arbeitens wie dem Herbstforum wird in der Initiative einen Raum geschaffen, in dem zentrale Themen integrativer Planung reflektiert und weitergedacht werden können. Aus diesen Prozessen erhalten die kommunalen Vertreter und Vertreterinnen zudem Inspiration und Motivation für die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Handlungsansätze vor Ort in den Kommunen.