Non-Profits in der Corona-Krise: Nestwärme startet digitale Initiative

Viele gemeinnützige Organisationen kämpfen mit den Corona-bedingten Herausforderungen – so auch Nestwärme. Dabei benötigen Familien mit schwerkranken oder beeinträchtigen Kindern jetzt doppelt Hilfe. Die Mitarbeiter*innen des Vereins haben deshalb eine neue digitale Initiative aus dem Boden gestampft.

Wenn das eine oder andere Nestwärme-Teammitglied beim digitalen Morgenmeeting etwas müde aus dem Monitor blickt, könnte das an einer kurzen Nacht liegen. Vielleicht hat sich der gestrige Arbeitstag mal wieder in die Länge gezogen, weil günstige Schutzkleidung und Gesichtsmasken besorgt werden mussten. Die fehlen momentan nicht nur in Krankenhäusern an allen Ecken und Enden – Familien mit chronisch kranken Kindern brauchen sie ebenfalls dringend.

Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Nestwärme e.V. unterstützen diese Familien seit über 20 Jahren in unterschiedlichen Projekten. Zu den Angeboten gehören Resilienz-Trainings, Austauschmöglichkeiten für Eltern, entlastende Besuche, Expertenberatung, eine inklusive Kinderkrippe und ehrenamtliche Kinderhospizhilfe. Zwei nestwärme-Projekte wurden bereits mit dem PHINEO Wirkt-Siegel ausgezeichnet.

Petra Moske

"Die Isolation bringt Familien mit chronisch kranken Kindern doppelt an die Grenze."

Fast alle Angebote setzten eine direkte Begegnung voraus – während der Corona-bedingten Kontaktsperre unmöglich. Für Nestwärme ist das in mehrerlei Hinsicht problematisch. „Die Isolation bringt Familien mit chronisch kranken Kindern doppelt an die Grenze“, sagt die Mitgründerin und 1. Vorsitzende Petra Moske. In dieser angespannten Situation steige das Risiko von häuslicher Gewalt und Depressionen.

Doch nicht nur für die Kinder und Familien, die auf Besuch verzichten müssen, ist die Lage problematisch. „Viele unserer Ehrenamtlichen in der Kinderhospizarbeit gehören mit über 60 der Risikogruppe an und können ihren Dienst nicht antreten.“ Ihnen fehle das gute Gefühl, von anderen gebraucht zu werden.

Um das aufzufangen, hat Nestwärme mit vollem Einsatz reagiert. Gerade werden alle Empowerment-Projekte digitalisiert. Die digitale Initiative "Stark bleiben - nestwärme spüren" wurde gestartet, um den Familien weiterhin Wärme und Unterstützung zu schenken, die sie jetzt ganz besonders brauchen.

Petra Moske

„Momentan konzipieren wir einen Resilienz-Workshop für zuhause, den Familien spielerisch umsetzen können.“

Das Programm beinhaltet Online-Webinare, Fragestunden und Praxisübungen zu Resilienz, Live-Cooking-Sessions, Video-Sprechzeiten und tägliche Gute-Nacht-Geschichten, vorgelesen von Nestwärme-Mitarbeiter*innen, Prominenten und Ehrenamtlichen. Auch in einem Podcast und auf YouTube ist Nestwärme sicht- und hörbar. „Momentan konzipieren wir einen Resilienz-Workshop für zuhause, den Familien spielerisch umsetzen können“, erzählt Petra Moske. „Wir arbeiten alle bis spät in die Nacht, jeden Tag.“

Aber diese Maßnahmen kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Spezielle Hygienevorschriften, der höhere Fahrtenaufwand durch veränderte Einsatzpläne der Pflegekräfte und die enorme Koordinationsleistung belasten Nestwärme. Spenden sind deshalb wichtiger denn je.

Schutzmasken aus dem 3D-Drucker als Spenden

Doch allen Herausforderungen zum Trotz gibt es immer wieder hoffnungsvolle Momente. Die größere Reichweite durch die Digitalisierung bringe das Angebot von Nestwärme Familien näher, die es vorher nicht kannten, erklärt Dirk Hense, der sich um Marketing, Fundraising und Unternehmenskooperationen kümmert. „Und wir waren noch nie so kreativ“, sagt Petra Moske. „Diese Zeit hat uns als Team bundesweit noch mehr zusammenwachsen lassen.“

Firmen bieten an, kostenlos Filme zu drehen, Menschen schicken Schutzmasken aus dem 3D-Drucker. Die Hilfsbereitschaft sei groß. „Ich wünsche mir sehr, dass das so bleibt.“

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