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100-Mio.-Spende: Hier irrt Jeff Bezos – oder etwa nicht?

Berlin, 23.08.2019

Thema: Wirksam Spenden

Über den Sinn oder Unsinn von Reportings

Andreas Rickert

Man muss nicht der reichste Mann der Welt sein, um Gutes zu tun und Gutes zu bewirken. Viele Menschen machen das, zumeist ganz ohne öffentliche Bühne: Mit persönlichem Engagement, mit Rat und Tat, und manche eben auch mit Geld. Jeff Bezos, bis dahin nicht bekannt für sein philanthropisches Engagement, hat im vergangenen Jahr knapp 100 Millionen Dollar an 24 Organisationen vergeben, vorwiegend an Kindergärten und Einrichtungen im Kampf gegen Obdachlosigkeit.

Das Besondere: Das geschah fast ohne jede Auflage - Kaum Reporting, kaum Rechtfertigungen, kaum Einschränkungen bei der Verwendung. Öffentlich sagte er nur: „Wir wissen, dass Sie das Geld mit Bedacht und mit Herz ausgeben werden.“ Die Strategie des Jeff Bezos wurde viel kritisiert. Aber kann sie auch funktionieren? Wozu sind Reportings gut und kann man einfach darauf verzichten?

„Reportings können den gesellschaftlichen Wert sozialen Engagements sichtbar machen. Erfolge und Wirkungen sind für Außenstehende nachvollziehbar, das hilft den Organisationen auch beim Fundraising“, sagt Linda Gugelfuß. Sie ist Leiterin des Bereiches Analyse und Großspendenberatung bei PHINEO. „Die Form des Reportings hängt maßgeblich von der Grundhaltung der Fördernden ab.“

Was damit gemeint ist? Wer nur Geld geben will oder grundsätzlich skeptisch ist, bevorzugt ein meist kleinteiliges Reporting, vorwiegend zur Kontrolle oder manchmal auch zur Sanktionierung. Fördernde, die sich als Partner verstehen und echtes Interesse am Projekt mitbringen, nutzen Reportings vor allem unterstützend. Gerät ein Projekt vielleicht ins Schlingern, dann können Fördernde mit Rat und Tat helfen. Die Praxis zeigt, dass Organisationen das meist zu schätzen wissen.

„Reportings sind ein Spiegelbild dessen, was wir erreicht haben. Daraus können wir auch ableiten, was wir uns weiter vornehmen müssen. Das ist total wichtig für unsere eigene Wirkungsorientierung und auch in der Kommunikation zwischen allen Stakeholdern“, sagt Roman Rüdiger von education y.

Education y setzt sich für bessere Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft ein. Das Projekt wird im Rahmen der SKala-Initiative neben 94 anderen gemeinnützigen Projekten gefördert. Sie alle werden durch Workshops im wirkungsorientierten Berichten geschult. Nach mehr als einem Jahr im Förderprozess zeigten sich 90% der Organisationen zufrieden mit dem Reporting-Prozess, der auf dem Social Reporting Standard SRS basiert. Zu empfehlen ist dieser Standard bei höheren Fördersummen oder dann, wenn ein Projekt von mehreren Institutionen gefördert wird. Eine einheitliche Berichtsform hilft dann sehr, sonst sind Organisationen schnell überfordert.

„Wirkung lässt sich nicht einfach messen, aber als Fördernde wollen wir natürlich wissen, welche Projekte effektiv arbeiten. Deswegen sind Infos über die Ziele und die Zielgruppen wichtig, zu denen dann auch die geplanten Maßnahmen passen müssen“, sagt Caroline Wetzke, die bei PHINEO das Skala-Projekt betreut. „Wir stellen auch immer wieder fest, dass Reportings eine echte Lernkultur fördern, nämlich dann, wenn sich die Projekte konstruktiv mit den Punkten auseinandersetzen, die nicht so gut laufen.“

Grundsätzlich sollten sich Fördernde gut überlegen, welche Informationen wirklich gebraucht werden. In der eigenen Förderpraxis setzt PHINEO vor allem auf ein angemessenes Reporting. Kleinteilige Berichtsanforderungen und Verwendungsnachweise können Projekte schnell überfordern. Bei geringeren Fördersummen kann das Reporting durchaus weniger detailliert ausfallen. Auch mal ganz auf das Reporting zu verzichten kann sinnvoll sein, nämlich dann, wenn die Wirksamkeit des Projektes nachgewiesen ist oder die Fördernden die Organisation sehr gut kennen.

Und war das nun der Grundsatz von Jeff Bezos? Das wissen wir nicht. Was wir aber wissen: Engagement hilft. Und eine wirkungsorientierte Förderpraxis bedeutet neben einem Reporting mit Augenmaß immer auch, dass die Partnerschaft von einem gesunden Vertrauen begleitet wird.

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