SKa­la-Initia­ti­ve konkret

Kin­der vor der nächs­ten Hun­ger­ka­ta­stro­phe schützen

Was kon­kret bewirkt die SKa­la-Initia­ti­ve? Wie schlägt sich die För­de­rung im Orga­ni­sa­ti­ons­all­tag nie­der? – Das Bei­spiel Deut­sches Komi­tee für UNICEF e.V. in der Repu­blik Niger.

Die Orga­ni­sa­ti­on

UNICEF, das Kin­der­hilfs­werk der Ver­ein­ten Natio­nen (UN), ist in rund 150 Län­dern für Kin­der im Ein­satz. Es wird durch ein welt­wei­tes Netz­werk aus star­ken Part­nern und enga­gier­ten Pri­vat­per­so­nen unterstützt. 

Das Deut­sche Komi­tee für UNICEF e.V. ver­tritt das Kin­der­hilfs­werk der UN in Deutsch­land und ist eine sei­ner wich­tigs­ten Stüt­zen: Die Orga­ni­sa­ti­on sam­melt Spen­den und leis­tet Informations‑, Lob­by- und Bildungsarbeit. 

Aus­gangs­la­ge

In der aus­ge­dörr­ten Sahel­zo­ne in Afri­ka ist die Nah­rung sehr knapp. Jedes ach­te Kind im Niger erlebt sei­nen fünf­ten Geburts­tag nicht – mit­ver­ant­wort­lich ist Mangelernährung. 

Niger hat eine der höchs­ten Kin­der­sterb­lich­keits­ra­ten der Welt. Fast jedes zwei­te Kind ist von aku­ter und chro­ni­scher Man­gel­er­näh­rung betrof­fen, was lebens­lan­ge Aus­wir­kun­gen auf die geis­ti­ge und kör­per­li­che Ent­wick­lung haben kann: Man­gel­er­nähr­te Kin­der sind anfäl­li­ger für Krank­hei­ten und erzie­len häu­fig schlech­te­re Bil­dungs­er­geb­nis­se. Als Erwach­se­ne ist ihre Wirt­schafts­tä­tig­keit ein­ge­schränkt. Somit sind gan­ze Genera­tio­nen betroffen. 

För­der­vor­ha­ben

UNICEF erreicht mit dem Pro­jekt man­gel­er­nähr­te oder von Man­gel­er­näh­rung bedroh­te Kin­der und Eltern in den Hoch­ri­si­ko-Regio­nen Zin­der, Mara­di und Dif­fa im Süden Nigers.

Eine wich­ti­ge Maß­nah­me ist die Ver­sor­gung Zehn­tau­sen­der Kin­der mit Mikro­nähr­stof­fen und gebrauchs­fer­ti­ger the­ra­peu­ti­scher Zusatz­nah­rung (RUTF), u.a. in Form von Erd­nus­s­pas­te. Selbst schwer unter­ernähr­te Kin­der kön­nen damit wie­der auf­ge­päp­pelt wer­den. Eine wei­te­re Maß­nah­me ist die groß­flä­chi­ge Ver­tei­lung von Vit­amin A zur Stär­kung des Immun­sys­tems und von Entwurmungstabletten.

Über­dies führt UNICEF lan­des­weit Ernäh­rungs­scree­nings durch, um akut man­gel­er­nähr­te Kin­der ver­sor­gen zu kön­nen. Hin­zu kommt der geziel­te Struk­tur- und Wis­sens­auf­bau in den Gesund­heits­be­hör­den: Ört­li­che Gesundheitshelfer*innen wer­den geschult, um Man­gel­er­näh­rung mög­lichst früh fest­stel­len zu kön­nen. Und damit sich Eltern von Expert*innen in Gesund­heits- und Ernäh­rungs­fra­gen bera­ten las­sen kön­nen, wer­den Frei­wil­li­ge für loka­le Selbst­hil­fe­grup­pen ausgebildet.

Wir­kun­gen auf Projektebene

Das Pro­jekt ist ein vol­ler Erfolg. Alle Zie­le wur­den erreicht – und eini­ge davon sogar in beein­dru­cken­dem Maße über­trof­fen. So konn­ten bei­spiel­wei­se anstatt der ursprüng­lich ange­streb­ten 548.000 Kin­der ins­ge­samt 5,5 Mil­lio­nen Kin­der mit Vit­amin A und Ent­wur­mungs­ta­blet­ten ver­sorgt wer­den. Das war mög­lich, weil unter ande­rem durch Wäh­rungs­schwan­kun­gen Gel­der frei wurden.

Und auch beim Ernäh­rungs­scree­ning im Rah­men der Mala­ria-Prä­ven­ti­on toppt das Ergeb­nis die gesteck­ten Zie­le um ein Viel­fa­ches: 3,6 Mil­lio­nen Kin­der wur­den auf Man­gel­er­näh­rung unter­sucht. Das sind 1,1 Mil­lio­nen mehr als geplant. Die Erfol­ge wur­den über die Lan­des­gren­zen hin­aus wahr­ge­nom­men, sodass nun auch ande­re Län­der in der Sahel­zo­ne die­sem Bei­spiel folgen.

Ein wei­te­res High­light sind die Behand­lungs­er­geb­nis­se in den Hoch­ri­si­ko-Regio­nen Mara­di und Zin­der, wo die Erd­nus­s­pas­te ver­ab­reicht wur­de, und in denen sich 84 Pro­zent bzw. 93 Pro­zent der Kin­der voll­stän­dig erhol­ten.

Bei­spiel: Mehr als medi­zi­ni­sche Hilfe

Im sta­tio­nä­ren Ernäh­rungs­zen­trum in Dif­fa wer­den zeit­gleich ca. zwan­zig Kin­der behan­delt, die schwer man­gel­er­nährt und durch wei­te­re Krank­hei­ten geschwächt sind. Vie­le Babys wie­gen nicht viel mehr als zwei Kilo, die Haut ihrer Arme und Bei­ne ist fal­tig, und ihre Haa­re sehen gelb­lich aus.

Eines von ihnen ist der erst drei Mona­te alte Sani. Als er in die sta­tio­nä­re Behand­lung auf­ge­nom­men wur­de, wog er nur 2,3 Kilo bei einer Grö­ße von nur 40 Zen­ti­me­tern. Zusätz­lich wur­den bei ihm eine Lun­gen­ent­zün­dung, Herz­pro­ble­me und dazu noch Mala­ria diagnostiziert.

Sei­ne Fami­lie ist vor zwei Jah­ren aus Nige­ria geflo­hen – vor den Über­grif­fen von Boko Haram. Sei­ne gesund­heit­li­chen Pro­ble­me began­nen schon vor der Geburt.

Sei­ne Mut­ter Fati­ma erzählt: Die täg­li­che Nah­rung reich­te nicht aus. Ich aß nur Hir­se und Milch, und eine Kran­ken­schwes­ter sag­te mir, dass ich an Anämie lei­de. Als Sani gebo­ren wur­de, konn­te ich ihn kaum stil­len. Irgend­et­was stimm­te da nicht.“

Als er immer schwä­cher wur­de, brach­te sie ihr Kind zum Gesund­heits­zen­trum in Che­tima­ri. Die Mitarbeiter*innen dort erkann­ten die Schwe­re des Falls und über­wie­sen ihn in das sta­tio­nä­re Ernäh­rungs­zen­trum in Diffa.

Dort küm­mer­te sich Kran­ken­schwes­ter Dje­mi­la um ihn: Man­gel­er­nähr­te Kin­der zu behan­deln ist kein ein­fa­cher Job. Unse­re Ver­ant­wor­tung geht über die rein medi­zi­ni­sche Behand­lung hin­aus. Wir geben den betrof­fe­nen Müt­tern auch psy­cho­lo­gi­schen Rück­halt. Wir sind ja selbst Müt­ter. Wir wis­sen, wie sie sich fühlen.“

Neben der medi­zi­ni­schen Für­sor­ge ist auch die Infor­ma­ti­on der Müt­ter und Eltern über die rich­ti­ge Ernäh­rung von Klein­kin­dern ein wich­ti­ger Teil der Arbeit der Kran­ken­schwes­tern. Drei Wochen lang muss­te Sani sta­tio­när behan­delt wer­den, erhielt neben den Medi­ka­men­ten zunächst the­ra­peu­ti­sche Spe­zi­al­milch, dann Erdnusspaste.

In die­sem Zeit­raum hat Sani schon wie­der an Gewicht zuge­nom­men. Sei­ne Mala­ria-Sym­pto­me sind ver­schwun­den. Die Behand­lung der Lun­gen­ent­zün­dung mit Anti­bio­ti­ka schlug an. Auch das Stil­len funk­tio­niert jetzt, und sei­ne Mut­ter beher­zigt die Ernäh­rungs­rat­schlä­ge, die Dje­mi­la ihr gege­ben hat.


SKa­la-För­der­be­reich: Ver­ges­se­ne Kri­sen | För­der­be­trag: rund 2,4 Mio. Euro | Reich­wei­te: Drei Stand­or­te in Zin­der, Mara­di und Dif­fa im Süden Nigers


Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur SKa­la-Initia­ti­ve und alle Wir­kungs­be­le­ge fin­den sich auch in den Tätig­keits­be­rich­ten, hier zum Download:

Resultate & Wirkungen

Tätigkeitsbericht SKala-Initiative 2020

Große Wirkungen (und Corona)

Tätigkeitsbericht SKala-Initiative 2022 (Summary)

Alles Wissenswerte zu SKala in der Zusammenfassung