Warum Stiftungen Geschlechtergerechtigkeit auf die Tagesordnung setzen sollten

Fünf Argumente, warum es sich für Stiftungsverantwortliche lohnt, das Thema Geschlechtergerechtigkeit jetzt anzupacken.

Geschlechtergerechtigkeit ist Voraussetzung, um die globalen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Expert*innen sind sich einig: Geschlechtergerechtigkeit ist ein zentraler Faktor, um die 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige globale Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) bis 2030 zu erreichen. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist tief verwurzelt und in allen Bereichen – sozial, wirtschaftlich, politisch und ökologisch – präsent. Nur wenn die Rechte von Frauen und Mädchen über alle Ziele hinweg gewährleistet werden, können wir eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen gestalten.

Haben Frauen beispielsweise gerechteren Zugang zu Bildung (SDG 4), verbessert das auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt (SDG 8). Ihr Armutsrisiko sinkt (SDG 1) und die Versorgung, Gesundheit und Entwicklung der Frauen, ihrer Kinder und Familien werden positiv beeinflusst (SDG 2 + 3). Die Wirtschaft gewinnt wichtige Fachkräfte und Impulsgeber*innen (SDG 8). Innovationskraft für die zentralen gesellschaftlichen Fragen, etwa den Klimawandel, wird mobilisiert (SDG 9).

Daraus folgt: Geschlechtergerechtigkeit ist auch für solche Stiftungen relevant, deren Aktivitäten auf den ersten Blick nicht direkt mit dem Thema Gender im Zusammenhang stehen, z.B. in den Bereichen Umweltschutz, Kultur oder Gesundheit.

Gleichberechtigung ist ein Grundrecht – und damit für Stiftungen Prämisse ihres Handelns

Stiftungen arbeiten mit dem Anspruch, zu einer demokratischen und gerechteren Gesellschaft beizutragen. Deshalb sollte gendersensible Arbeit für sie selbstverständlich sein, denn sie fördern und unterstützen die Grundfeste unserer Demokratie und sind Vorbilder für gesellschaftlichen Wandel.

Stiftungen können im Thema viel bewegen

Nur wenige Stiftungen engagieren sich bislang im Themenfeld Geschlechtergerechtigkeit. Hier gibt es eine klare Förderlücke und die Chance, das Thema durch eigene Impulse mitzugestalten. Stiftungen können dabei auf zweifache Weise zu mehr Gleichberechtigung beitragen. Sie können

  • können gezielt Gender-Projekte fördern oder durchführen und
  • sie können Geschlechtergerechtigkeit in ihren Konzepten und Strategien reflektieren und dadurch langfristig einen größeren Beitrag für soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Gerechtigkeit leisten.

Die Umfrage zeigt: Stiftungen, die sich in ihren Projekten für Geschlechtergerechtigkeit engagieren, sind auch intern gleichberechtigter aufgestellt. Sie finden das Thema wichtiger und wollen sich hier weiterentwickeln. Operative und fördernde Tätigkeit und Organisationsentwicklung gehen Hand in Hand.

Gendersensible Stiftungen bewirken mehr

Zielgruppenbewusstsein ist ein essentieller Teil von Wirkungsorientierung. Wer in Strategien und Projekten unterschiedliche Bedürfnisse der Geschlechter berücksichtigt, entfaltet eine nachhaltigere Wirkung, denn

  • Aktivitäten sind besser auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten und
  • Ressourcen werden effektiver und zielgerichteter eingesetzt.

Die Umfrage weist darauf hin, dass operativ tätige Stiftungen im Vergleich zu ausschließlich fördernd tätigen Stiftungen Gender-Aspekte wichtiger finden. Sie erleben offenbar im direkteren Kontakt mit der Zielgruppe, wie Jungen und Mädchen beziehungsweise Frauen und Männer unterschiedlich auf ein Angebot reagieren und wie ein Vorhaben aufgebaut sein muss, um zielgruppenbewusst Wirkung zu erzielen.

Gendersensible Stiftungen sind moderner und innovativer

Je diverser die Belegschaft und insbesondere die Führung eines Unternehmens aufgestellt sind, desto leistungsfähiger ist es. Für Stiftungen fehlen solche Daten bislang. Doch alles spricht dafür, dass Organisationen, die sich zu Diversität und Geschlechtergerechtigkeit bekennen, effektiver arbeiten und innovativer sind. In Zeiten des Fachkräftemangels sind solche Organisationen attraktive Arbeitgeber*in.

Für Stiftungen bedeutet das, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Mitarbeitende mit unterschiedlichem Geschlecht, Alter, Herkunft, Bildungsstand usw. wohlfühlen und ihre Kompetenzen einbringen können. Flexible Arbeitszeiten, eine Ombudsperson oder gendersensible Sprache sind erste Schritte auf diesem Weg.

Zum Download

Umfrage Gender in Stiftungen

Wie setzen Stiftungen Geschlechtergerechtigkeit in Förderpraxis und Organisation um?

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